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Privatsphäre? Eine Online-Test bei Amazon.de (Teil 2v2)

Sie haben zuvor den hier verlinkten Text gelesen? Falls nicht ggf nachholen. Bei dem folgenden Test hat ein Mitarbeiter nach Informationen von „gläsernden“ Privatpersonen gesucht – und gefunden:

Recherche1: Ich suche nach einer mir bekannten Frau mit vollem Namen bei google. Ich erfahre, dass Sandra S. (Name geändert) recht aktiv im Internet und im wahren Leben ist. Ich finde Informationen über ihre Firma, ihr privates Engagement, ihre Pressetexte, Fotos und vieles mehr. Und Einträge bei http://www.yasni.de. Gleich an zweiter Stelle steht ihre Wunschliste beim Onlineshop amazon.de. Schnell raufgeklickt und siehe da: seitenweise (Kauf-) Wünsche

Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel? Aha, sie ist entweder Bodybuilder oder Vegetarier (Eiweißmangel) oder hat eine Depression und leidet unter Schlafmangel. Entspannungsmusik – okay, doch wohl Depressionen. Ein Schallpegelmesser? Klar: Lärmstörungen = Schlafmangel! Ein Skateboard? Hat sie ein Kind? Ah – ein Nachtpyjama. Sie hat wohl einen Sohn. Bücher, Bücher noch mal Bücher. Fachbücher übers Bloggen – damit beschäftigt sie sich also? Interessant. Schuhe – Größe 38,5 – gut; bei Größe 42 hätte ich mich erschrocken; aber einen Schuhtick hat die schon, oder? Digitalkameras – ist Fotografie ihr Hobby? Toll, meines auch! Fahrradträger, Campingstromadapter – was die alles braucht. Die Beine rasiert sie sich anscheinend auch – toll. Die Frau muss ich kennenlernen. Kinderschreibtischstühle und Waschmaschinen – ist sie vor Kurzem ungezogen? Fachbücher über Tinnitus – okay, die Frau ist gestresst. Ist sie auch zickig? Dann will ich sie doch lieber nicht kennenlernen. Fachliteratur über ADHS bei Kindern? Eine Frau mit Problemen – das klingt anstrengend.www.docmorris.com

Recherche2: ein Mann. Dieses Mal suche ich so: direkt im Onlineshop nach „DVD, Erotik“. Sortiere nach „Kundenbewertung“ und klicke mich mal so durch. Suche nach Rezensionen, in denen Realnamen der Leser genannt werden. Schwierig – in dieser Rubrik werden hauptsächlich Fakenamen genutzt. „Robert“ rezensiert Bücher und mehr. Eines über Schuldeneintreiben – neigt er zu Gewalt? Er sieht DVDs mit Titeln wie „Ungezogene Mädchen“ – er steht total auf so was, vergibt für Pornos gerne 5 Sterne. Selbst ne Liebespuppe will er haben – wie ist der drauf? Squezzer Teaser – himmel, was ist das? Ein Elektroschocker mit Handschellen. Der Typ steht auf Schmerzen – igitt.

Ich recherchiere lieber erneut (Recherche 3) und gehe auf die Liste mit Top-Rezensenten. Suche Namen aus, die in der Rangliste irgendwo jenseits von Platz 1000 stehen. Die, die am meisten rezensieren machen das nämlich meistens beruflich. Ein Ergebnis: Jürgen W. (Name geändert) ist zwar kein Weinkenner, aber sein Bruder. Findet, dass der Wein gut zum Grillen passt – aha, er ist also Fleischesser und Gerne-Draußensitzer. Er kauft auch Spyware-Softwarespiele. Kampfspiele. Spyware? Damit können PCs auspioniert werden. Übertritt Jürgen gerne Grenzen? Lustig finden wir seine Bewertung von elektrischen Zigaretten. Was es alles gibt! Elektrische Zigaretten, mit den man „Liquids“ raucht. Was wird geraucht? Flüssiger Tabak oder Drogen? Einen Pilotenkoffer hat Jürgen auch gekauft. 5 Sterne. Braucht er den für die Arbeit? Ein Buch über Hundeerziehung – er hat einen Hund. Wie süß! Das wirkt total vertrauensvoll. Ach – er kann sich nicht durchsetzen? Ein Weichei also? Er kaufte auch ein Rassebuch über Farmhunde aus Südafrika. Sein Hund ist also einen Riesenköter – der sieht so aus, als wenn er sabbert. Ich glaube, mit dem Mann würde ich nicht in den gleichen 4-Wänden wohnen wollen …

Jetzt kommt eine Liste mit Büchern über Geld. Rentenvorsorge. Wirtschaftspolitik. Die Bewertungen sind klug geschrieben – ist er jetzt ein Mensch, der sich für bestimmte Themen in der Tiefe interessiert oder verkauft er eigentlich Finanzanlagen? Ich google ihn mal … lande auf seinem facebook-Profil. Er hat ne Baumschule! Und ein Foto von seinem Hund ist sein Profilbild. Zwei Hunde! Und es sind wirklich Riesenviecher. Aber einen schönen Garten hat er in Neustadt. Klar, da würde ich auch grillen wollen. Er mag übrigens „Rammstein“ und „Totenmond“. Ich glaube, er ist ein bodenständiger Mensch – nett, aber mir zu langweilig.

Wer seine persönlichen Wünsche nicht öffentlich zugänglich wissen will, sollte sich die Anleitung zur Einstellungsänderung durchlesen.

Mein Schöner Garten Abo Campaign

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