Die Digitalisierung wird als Querschnittsthema in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen vorangetrieben – auch in der Landwirtschaft. Nicht umsonst ist diese Thematik in Schleswig-Holstein demselben Ministerium zugeordnet, dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (kurz: MELUND).

(Artikel geschrieben in 9/2018 im Auftrag; jetzt frei zur Verwendung durch die Urheberin).

 

Rettet „Bio“ die Landwirte und Umwelt, oder eher die Digitalisierung?

Die Dürre 2018, Preisdumping beim Fleisch und Handelskriege rund um den Globus – Landwirte kämpfen mit vielen Widrigkeiten. Um einige dieser Probleme entgegenzuwirken, setzen immer mehr Landwirte auf Bio-Anbau und liefern Qualitätsprodukte, die in der Heimat zu fairen Preisen verkauft werden können. Doch: Bio-Anbau ist nicht das Allheilmittel, zumal nicht alles so gut riecht, wie es aussieht … Bio-Produkte liefern ein wenig Romanik und versprechen Verbrauchern ein gesünderes Leben, doch ihr Anbau belastet die Umwelt auch. Zwar werden z.B. deutlich weniger Pestizide verwendet und strengere Richtlinien dafür angesetzt. Aber: Bio-Bauern verwenden z.B. auch ”Gülle” als Biodünger und der belastet Gewässer durch Nitrate und produziert extrem viele Gase – Treibhausgase.*

Dagegen klingt die Digitalisierung sauber und umweltschonend! Aber was ist unter der Landwirtschaft 4.0 zu verstehen?

Jan Philipp Albrecht, Umweltminister Schleswig-Holstein

Minister des MELUND ist Jan Pilipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen; Foto: © Frank Peter), er sagte 2018: „Digitale Innovation kann dafür sorgen, dass unsere Landwirtschaft ressourcenschonender, umweltverträglicher und effizienter wird. Bereits heute erleichtert der Einsatz neuer Technologien die Arbeit auf landwirtschaftlichen Betrieben beträchtlich. Die Digitalisierung bietet der Landwirtschaft enorme Chancen und stellt sie dabei gleichzeitig vor große Herausforderungen. Wir erarbeiten daher gemeinsam mit den beteiligten Akteuren zukunftsfähige Ideen und Fördermöglichkeiten, auch für Umstellung und Beratung. Auf einem Modell-Hof wollen wir im Rahmen eines Pilotprojektes testen, was verstärkte Digitalisierung in der landwirtschaftlichen Praxis bedeutet.“

Das digitale Büro ist quasi von gestern – ”Digitales Farming” ermöglicht beinahe alles!

Digital gesteuerte Landmaschinen können autonom fahren und Kühe von künstlichen Intelligenzen (Robotern) gemelkt werden – das spart Personalkosten. Drohnen fliegen über die landwirtschaftlichen Betriebe und checken die Lage – sie kartieren per GPS die Felder, managen Tierherden und vieles mehr. Prozesse und Kosten werden so optimiert und entsprechend die Effizienz der Landwirte gesteigert. Das ist gut für die Wettbewerbsfähigkeit und hilft auch beim Vertrieb. Denn: Große Handelsketten bevorzugen solche modernen und produktiven Lieferanten.

Nicht nur Wetter-Apps helfen Landwirten beim Planen.

Digitale Maßnahmen können außerdem den Umgang mit Boden, Wasser und Luft umweltverträglicher gestalten und nutzen dem Wohl der Tiere – durch dem Berechnen der optimalen Ernährungs- und Lebensweise und spätestens bei der Ernte, wenn Drohnen vorfliegen und junge Rehkitze ”warnen”. Eine rege Gründerszene entwickelt technische Lösungen für intelligente Vernetzung;  Verwaltung von Geo- und Klimadaten, Food-Plattformen sowie speziellen E-Commerce-Lösungen, und Vieles mehr. Die Landwirte brauchen dazu selbst digitales Knowhow, eine leistungsfähige Infrastruktur (Breitband überall) und natürlich technische Ausstattung mit moderner Agrarsoftware auf und in ihren landwirtschaftlichen Betrieben.

Wer den digitalen Anschluss verpasst, wird irgendwann ganz zurückbleiben …

Fakt ist: Laut dem Umweltbundesamt ist die Landwirtschaft nach der Industrie der zweitschlimmste Produzent von Treibhausgasen und trägt damit massiv zu den Klimaveränderungen bei! (Quelle: Umweltbundesamt). Digitalisierung kann helfen, das  durch Optimierung von Maßnahmen und Prozessen zu ändern!


Fotos:

  • Beitragsbild: Smartfarming
  • Bild des Ministers: Frank Peter
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