Die Deutschen fahren Fahrrad – immer mehr, immer häufiger elektrisch. Entsprechend steigt der Absatz von e-Bikes und Pedelecs in Deutschland stetig. In Jahr 2017 wurden 720.000 E-Bikes verkauft – das trotz hoher Anschaffungspreise. Versicherungen für das wertvolle Gut sind entsprechend gefragt.

E-Bikes gibt es ab circa 1.000 Euro zu kaufen; Qualitätsräder im gehobenen Mittelpreissegment liegen bei 2.500 bis 3.600 Euro, Luxusräder weit darüber. Zwar steigt die Anzahl von Diebstählen nicht, sondern singt sogar (Quelle: Polizeiliche Kriminalitätsstatistiken des BKA).  Doch Besitzer von E-Bikes und Pedelecs versichern ihr teures Zweirad gerne vor Diebstahl, Vandalismus und höhere Gewalt.

Policen im Vergleich: Es gibt Hausrat- und spezielle Fahrradversicherungen. Eine Hausratversicherung deckt Schäden nur aus dem versicherten Gebäude inklusive Nebengebäuden (z.B. Garagen) ab. Sie leistet zum Beispiel bei Fahrrad-Diebstählen aus dem abgeschlossenen Keller oder der eigenen Wohnung.

Laut Statistik der Deutschen Versicherer (DGV) werden aber die meisten Fahrräder außerhalb, das heißt in der Öffentlichkeit gestohlen; beispielsweise an Bahnhöfen. Dagegen können sich Besitzer mit einer Zusatzpolice zur Hausratversicherung absichern. Diese wird „Hausratversicherung mit Fahrradklausel“ genannt.

Wichtig ist: Nur ein- und/oder abgeschlossene Fahrräder sind überhaupt versichert. Wer sein Rad ungesichert abstellt, kann im Schadensfall nicht mit einer Entschädigung rechnen.

In der Hausratversicherung wird bei Diebstahl der jeweilige Wiederbeschaffungswert erstattet.

Das bedeutet, die Versicherung bezahlt den Preis, der für ein gleichwertiges Fahrrad aufzubringen ist. Oft enthält die Hausratversicherung zudem einen Selbstbehalt sowie eine Höchstentschädigungsgrenze, die prozentual angegeben ist und oft niedriger als der ehemalige Kaufpreis ist.




Beispiel: Ist in der Hausratversicherung eine Versicherungssumme von 40.000 EUR vereinbart, beträgt die Fahrradversicherung anteilig 1%, sprich 400 EUR maximal. Der Betrag entspricht kaum dem Preis eines neuen Fahrrads, noch weniger dem eines E-Bikes und macht im Schadensfall eine Wiederbeschaffung allein über die Versicherung unmöglich. Der geschädigte Fahrradbesitzer zahlt also selbst einen großen Anteil.

Besondere Vorteile der Hausrat- inklusive Fahrradversicherung:

Es sind alle Fahrräder des Haushalts recht günstig versichert und dies unabhängig vom Alter der Räder. Größter Nachteil ist wohl, dass – wie oben beschrieben – oft die Versicherungssumme zu gering ist.

Beim Versicherungsvergleich sollte auf Klauseln zum Unterversicherungsverzicht und Höhe bzw. Wegfall einer Selbstbeteiligung geachtet werden. Und vor allem: Nicht alle Policen versichern auch E-Bikes und Pedelecs sowie Diebstähle in Hausgemeinschaften! Viele Policen enthalten zudem Nachtkauseln, sodass tagsüber entstandene Diebstähle und Schäden nicht versichert sind.

Eine Hausratversicherung inklusive Fahrrad-Versicherungssumme in Höhe von 2.437 € mit Wohngemeinschaften kostet ab 200 € / Jahr; ohne Wohngemeinschaften ab 128 € pro Jahr (Quelle: check24.de). Achtung: Es gibt regionale Unterschiede, da der Standort des versicherten Gebäudes den Preis beeinflusst.

Für hochwertige Räder kann eine spezielle Teil- oder Vollkasko-Fahrradversicherung abgeschlossen werden.

In dieser sind Verlust oder Beschädigung des versicherten Fahrrades durch Diebstahl, Verwechslung, etc. sowie Gefahren wie Brand, Blitzschlag, Explosion oder Unfälle abgedeckt. Die Versicherungssumme kann individuell vereinbart werden, und: zum Neupreis, nicht zum Wiederbeschaffungswert in einer Höhe bis zu 10.000 Euro. Für ein Fahrrad im Wert von 4.000 € inklusive Schutzbrief kostet so eine Versicherung zum Beispiel ab 238 € pro Jahr.

Besondere Vorteile einer speziellen Fahrradversicherung sind auch, dass oft sogar Pannenschäden und Verschleiß, sowie Übernachtungskosten im Schadensfalls erstattet werden, was zum Beispiel für Fahrrad-Reisende interessant ist. Nachteilig ist, dass nur jeweils ein Fahrrad versichert ist (und nicht die des ganzen Haushalts) und die Versicherung nur für Fahrräder bis zum Alter von 3 Jahren abgeschlossen werden kann.


Neue Versicherungs-Produkte in 2019:

Neu ist z.B. das Angebot “Allverta” der Allianz – diese Fahrradversicherung können Privatpersonen nicht direkt abschließen, sondern müssen dies über ihren Fahrradhändler tun. Die Preise sollen wohl bei 7,50 € / Monat losgehen.

Ebenfalls ging im Sommer 2019 die Fahrrad-Versicherung von Hepster aus Rostock an den Start. Sie ist ein flexibler, günstiger Fahrradschutz, der online selbst abgeschlossen werden kann. Ein Fahrrad für bis zum Kaufpreis von 750,- kann z.B. gegen Beschädigung/Verschleiß und Diebstahl für 3,90 € / Monat abgeschlossen werden.


Fazit: Bei Fahrrädern wie e-Bikes und Pedelecs, deren Neupreis deutlich über der Höchstentschädigungsgrenze einer Hausratversicherung liegt, sollte besser mit einer speziellen Fahrradversicherung vorgesorgt werden. Wer mehrere Fahrräder, z.B. die einer Familie versichern will, schneidet bei einer Hausratversicherung besser ab, weil darin alle Räder des versicherten Gebäudes eingeschlossen sind.

Tipp: Um auf den Fall eines Diebstahls vorbereitet zu sein: Bewahren Sie den Kaufbeleg auf, notieren sich Rahmennummer, Hersteller und Modell und machen Fotos.





Schulunterricht. Der Sportlehrer verlangt Montagmorgen um 8.05 Uhr von einer müden Schülerin, dass sie Hochsprung macht. Sie ist kalt – Aufwärmtraining gab es nicht. Sie weiß nicht wie – fehlte in der letzten Stunde. Eine Mitschülerin erklärt ihr die Sprungart. Schon beim ersten Absprung verdreht sich das Mädchen ein Knie; fällt mehrmals auf die Stange. Der Lehrer sagt: “Mach, bis du es geschafft hast.” Sie springt. 3x, 4x, 5x. Nachmittags klagt sie über Schmerzen in Hüfte, Rücken und Knie …

Die Schülerin hat am ganzen Körper verteilt blaue Flecken und kann kaum auftreten. Ihre Mutter ist hart im Nehmen, und meint zunächst, dass ihre Tochter sich nicht so anstellen soll. Doch ihr Kind klagt jeden Tag ein wenig mehr, insbesondere über Schmerzen im Knie. Also gehen die beiden dann doch noch zum Arzt. Zum Hausarzt, ohne Termin. Sie sitzen fast zwei Stunden lang im Wartezimmer. Es ist Herbstanfang, die Ersten mit Husten und Schnupfen sitzen dort – sich anzustecken kann sich die Mutter nicht leisten …

Eines darf einer Frau, die mit wirklich Allem alleine dasteht, nicht passieren: Sie darf niemals krank werden. Niemals. Wenn sie auch noch selbständig ist, sind die Folgen durch gesundheitliche Probleme existenzbedrohend!

Zwei Stunden in der Praxis, viel Papierkram, und: Nichts genutzt

Eine Arzthelferin lässt sie ein Unfallformular ausfüllen, worin unter Anderem der Unfallvorgang geschildert wird. Das müsste sein, weil es ein Schulunfall war. Sie fragen nach: “Der Lehrer hat kein Aufwärmtraining gemacht? Und nicht selbst erklärt, wie Hochsprung richtig geht?” Nein, hat er nicht.

Nachdem Mutter und Kind endlich den Arzt sehen, untersuchte er die Sportverletzte und sagte danach: “Das sind Prellungen. Die Schmerzen im Knie halte ich nicht für bedenklich, aber das muss weiter abgeklärt werden, weil es ein Schulunfall war. Deshalb hätten Sie eigentlich auch direkt zu einem Durchgangsarzt (siehe Wikipedia) gehen müssen.”

Wieso haben die Arzthelferinnen das nicht bei der Anmeldung gesagt?



Patientin und Mutter gehen mit einem Schmerzsalben-Rezept und rufen direkt beim nächstgelegenen Durchgangsarzt an – 8 Kilometer weiter, in einer anderen Stadt. Sie haben Glück und dürfen direkt kommen. Die Wartezeit hält sich in Grenzen. Die Mutter muss das gleiche Formular wie zuvor erneut ausfüllen – auf Papier. Sie muss den “Unfall”- Hergang erneut erzählen – von Anfang an. Diese Ärztin untersucht die verletzte Schülerin erneut, spricht auch von Prellungen und auch von einer notwendigen tieferen Untersuchung des Knies, weil die Unfallkasse das braucht – nicht, weil sie eine schlimmere Verletzung vermutet.

“Da ich nicht mit Sicherheit sagen kann, dass der blaue Fleck seitlich des Knies keine innere Blutung ist, die Folgen haben kann, müssen Sie das für die Unfallkasse abklären.” Sie händigt der Mutter eine Überweisung aus – für ein MRT (Magnetresonanztomographie). “Wir müssen erneut eine Untersuchung durchführen lassen – aus versicherungstechnischen Gründen? Wer bezahlt mir die entfallene Arbeitszeit?” Die Ärztin zuckt mit den Schultern und bemerkt: “Bürokratie …”

Das Kind hat weiterhin Scherzen – auch im Rücken. Blaue Flecken sind auch dort zu sehen. Sie wurde schon viel untersucht – geholfen hat ihr niemand!

Sollen sie jetzt auch noch zum Orthopäden gehen? Es dauert zwei bis drei Monate, bevor man dort einen Termin bekommt.

Soll die Patientin bis dahin mit Schmerzen herumlaufen? Sich herumquälen? Mutter und Kind entscheiden sich dagegen und gehen zu ihrer Chiropraktorin, die in Deutschland – trotz 5-jährigem Vollzeitstudium zum Mediziner im Ausland (z.B. in England) – als Heilpraktikerin tätig sein muss. Das bedeutet: Sie kann nicht mit gesetzlichen Krankenkassen abrechnen, sondern nur privat. Wer kann sich das leisten? Wer ist Privat zusatzversichert?

Nun: Diese beiden sind es, haben einen privaten Zusatztarif für Heilpraktikerleistungen und bekommen am nächsten Tag einen Termin bei der Chiropraktorin. Diese stellt fest: “Es sind mehrere Wirbel verkantet, das Hüftbecken und eine Rippe sitzen nicht richtig – kein Wunder, wenn so ein Sport ohne Aufwärmtraining und ohne richtige Technik gemacht wird!”

Es dauert keine zwanzig Minuten, da sitzt durch gezielte – professionelle –  Handgriffe und Drehungen wieder alles richtig, und: die Schmerzen in Rücken und Hüfte lassen sofort nach.

Die Chiropraktorin hat dem Kind SOFORT geholfen. Im Gegensatz zu allen anderen Ärzten!



Aber das war es noch nicht … Mutter und Kind hatten sich, relativ sicher in der Hausarztpraxis, mit Grippe angesteckt und lagen infolge flach. Die Mutter kann einige Tage kaum arbeiten, aber erledigt wie immer, das Wichtigste – solche Dinge, die sie tun muss, aber mit denen sie kein Geld verdient. Kundenkontakt, selbst das Sprechen am Telefon fällt ihr schwer. Ihre Tochter hatte nun Schmerzen UND Grippe. Sie kann nicht zur Schule – 10 Tage lang, selbst in den Herbstferien ist sie noch krank. In der letzten Woche vor den Ferien wurden mehrere Klassenarbeiten geschrieben – die Patientin konnte nicht mitschreiben.

Die Unfallkasse schickt jetzt auch noch ein Formular zum Ausfüllen – der Unfallvorgang muss zum 4. Mal schriftlich geschildert werden.

Zum vierten Mal! Handschriftlich. Wochen später kommt noch ein Formular zum Ausfüllen. Die Mutter dreht am Rad; ihrem Kind wurde nicht geholfen. Normale Schmerztabletten und Sportsalbe hatten sie zuhause; alles nicht rezeptpflichtig. Was hätte eine elektronische Patientenakte geholfen? Über sinnlose Kosten wollen wir hier garnicht reden. Oder doch?

Das MRT muss trotzdem sein und findet ausnahmswiese in Kürze statt.

NUR weil die Patientin eine private Zusatzversicherung hat und die Mutter mehrere Radiologen anrief, bekommt sie in der Woche darauf bereits einen Termin dafür. Wieder in einer anderen Stadt – entgegengesetzte Richtung. Geschichte und Formular mussten erneut erzählt bzw. ausgefüllt werden …

Aber auch das MRT ergibt nichts. Das Knie ist definitiv nicht tiefer oder nachhaltig verletzt worden. Alles nur äußere Prellungen und Zerrungen – nur die Rückenproblematik wäre ohne “Heilpraktikerleistungen” nicht mit ein wenige Salbe und Zeit weggegangen.

Folgen? Wollen wir über Folgen sprechen?

Die Schülerin war durch die sinnlosen Arztbesuche 2fach krank und verpasste eine Menge Unterricht und schrieb Klassenarbeiten nicht mit. Nach den 3wöchigen Herbstferien (in SH, einmalig in 2018 so lang), hatte sie 2 Wochen lang Betriebspraktikum. Die Lehrer verlangten, dass die Schülerin 6 Wochen später, als alle anderen Schüler, die Klassenarbeiten schreibt.

Dazwischen lag eine Zeit von Sommerferienlänge, in der viel vergessen wurde und ein arbeitsreiches, anspruchsvolles Betriebspraktikum.

Die Schülerin hat die Klassenarbeiten versemmelt, was dazu führte, dass sie die ESA-Prüfungen im Frühjahr mitmachen muss (an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe, siehe Schulsystem Schleswig-Holstein).

Für die Mutter bedeuten all die Arztbesuche: Verdienstausfall.

In der Summe fünf (5) halbe Tage durch Arztbesuche und weitere 4 ganze Tage durch die Grippe. Die Tochter war rund 14 Tage krank.  Die Arbeitsausfall- sowie Fahrtkosten durch insgesamt fünf Arzttermine (mit MRT-Nachgespräch) an verschiedenen Tagen in verschiedenen Städten sowie die, durch die Folgeerkrankung durch Ansteckung im Wartezimmer, bezahlt der Mutter: niemand!

Der ganze Vorgang ging am meisten zu Lasten des Kindes und der Mutter!

  • Der Lehrer, der fahrlässig gehandelt hat, weil er weder Aufwärmtraining noch eigene Erklärungen für notwendig hielt, bekam wohl nur einen Rüffel (beruht auf “Hörensagen”)
  • Das Kind hatte wochenlang Schmerzen und Schulprobleme.
  • Die Mutter hatte Verdienstausfall und Kosten.
  • Das Gesundheitssystem hat die – sinnlosen? – vielzähligen Untersuchungskosten getragen.
  • Außer der Chiropraktorin hat KEIN Arzttermin der Patientin geholfen.

Was hätte eine elektronische Patientenakte genutzt?

Und: Hätten Arzt-Beratungsgespräche per Videotelefonie die eine oder andere Fahrt in die Praxen erspart?

  • Klar ist: es hätte NICHT 4x der Unfallvorgang auf Papier-Formularen ausgefüllt werden müssen.
  • Der Gang zum Hausarzt hätte ausbleiben können, wären Patienten besser im Vorwege informiert.
    • Dadurch hätten sich Mutter und Kind nicht im Wartezimmer angesteckt. Hätte bedeutet: Keine Ansteckung. Weniger Arbeitsaufall. Weniger Einkommensverlust.
  • Das abschließende Gespräch nach dem MRT hätte per Videotelefonie stattfinden können; per Telefon durfte das wegen der nicht möglichen Identifikation nicht stattfinden.

Kurz: 2 von 5 Terminen hätten ausbleiben können. Ein dritter auch? Gäbe es nicht die bürokratischen Unfallversicherungstechnischen Gründe?

Würde unsere Gesellschaft zudem:

  • Mütter nicht herabwürdigen und von ihnen erwarten, dass sie durch ihre Familienarbeit selbstverständlich Einkommensverluste hinnehmen, wäre für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf viel getan.
  • Lehrer besser ausbilden und zur Verantwortung ziehen, wenn sie fahrlässig handeln, dann hätten Schüler weniger Folgen zu tragen.

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Eine alleinerziehende Mutter lebt von Rücklagen und ist nebenberuflich selbständig. Sie verdient nach einem Burnout nur das Minimum von 386 EUR brutto im Monat  – und jetzt sendet ihr die gesetzliche Krankenkasse eine Nachforderung in Höhe von 342 Euro – PRO Monat. Für 1,5 Jahre in der Summe mehrere tausend Euro. Angeblich wäre sie hauptberuflich Selbständig gewesen …

Es gibt Situationen im Leben von alleinerziehenden Müttern, die den Blutdruck steigen lassen. Heute war so ein Tag bei Su-Enna* (Name geändert). Sie erzählt: “Heute (April 2015) bekam ich von meiner gesetzlichen Krankenkasse ein Schreiben zu meinen Beiträgen. Für die Zeit von Januar 2013 bis August 2014 soll ich fast 3.000 EUR nachzahlen. Ich habe fast einen Herzschlag bekommen, als ich das las!

Viele Jahre lang war sie als Selbstständige sehr erfolgeich. Trotz Kind, trotz Scheidung, trotz allgemeiner Wirtschaftskrisen verdiente sie viele Jahre gut. Aber dann … kam er schleichend; der Burnout Nr 2. Den ersten hatte sie Jahre vor der Schwangerschaft, als ihre Firma zu schnell gewachsen war.

Aus dem zweiten Burnout kommt sie nicht wieder in die Spur. Su-Enna* ist lange Zeit kaum arbeitsfähig; ist Monatelang krank geschrieben; kann einfach nicht mehr. Zwischendurch ist sie Arbeitslos gemeldet, hält aber ihre GmbH auf dem Papier am Leben. Sie verkauft ihre Wohnung. Löst eine Altersvorsorge auf. Verbraucht das Geld daraus über Jahre hinweg und kann damit ihrer Tochter dennoch ein ganz normales, aber lebenswertes Leben sichern. Sich selbst aber nicht. Sie funktioniert bestmöglich und versucht, wieder Geld zu verdienen.

Monat für Monat verbraucht Su-Enna. mehr als 2.000 Euro von ihrer Altersvorsorge. Nebenbei verdient sie als Aushilfe bei ihrer GmbH nur noch 386 Euro im Monat. Theoretisch. Faktisch wird mit diesem Betrag nur ihr uralter Firmenwagen abgerechnet. Das muss so sein laut Finanzamt. 14 Jahre vorher wurde der Neuwagen mit der 1-Prozent-Regelung als Arbeitslohn angelegt. Das heißt, der Arbeitnehmer, der den Firmenwagen nutzt, muss 1-Prozent des Neuwagenpreises als Einkommensbestandteil versteuern. Hier eben mit 386 Euro – jeden Monat, auch wenn er schon so alt ist, dass er fast auseinander fällt.

Laut Gehaltsabrechnung bekommt Su-Enna 386 Euro brutto als Sachwert. Macht netto in bar: 0,00 EUR. Tatsächlich lebt sie jahrelang von ihren Rücklagen. Die sind  Anfang 2015 fast aufgebraucht.

Die gesetzliche Krankenkasse ist nunmehr der Meinung, dass Su-Enna in 2013 und 2014 hauptberuflich selbständig war. Die Versicherung weiß aber (stand im Schreiben der KV), dass das Einkommen laut Einkommenssteuererklärung unter der Mindestbemessungsgrenze lag. Warum legt sie dann die Bemessungsgrundlage für “richtige” hauptberufliche Selbständige an, anstatt die Bemessungsgrundlage für nebenberuflich Selbständige?

Nach der gesetzliches Beitragsbemessungsgrundlage müsste sie einen monatlichen Beitrag von 152,27 EUR für nebenberuflich Selbständige bezahlen – was sie auch jahrelang getan hat. Aber: Nebenberuflich ist die selbständige Tätigkeit laut aktueller Gesetzgebung dann, wenn die versicherte Person ein weiteres, höheres Einkommen als Angestellte hat.

Aber was ist, wenn es nur dieses Nebeneinkommen gibt? Und die selbständig arbeitende Person ansonsten Hausfrau und Mutter ist und kein weiteres Einkommen hat? Muss sie dann wirklich 342 EUR KV-Beitrag monatlich zahlen? Kaum weniger als ihr Bruttoeinkommen?

Berechtigt das fehlende Haupteinkommen die Krankenversicherung, dass nebenberufliche Einkommen aus Selbständigkeit als hauptberufliche Selbständigkeit auszulegen? Auch wenn das faktisch unwahr ist? Und es kein nennenswertes Einkommen gibt? Oder hat die KV dennoch “Spielraum” und gibt es eine Beitragsermässungsgrundlage, wonach Su-Enna “nur” 152,- Euro im Monat Beitrag zahlen müsste? Was auch viel ist, wenn eigentlich NICHTS verdient wird?

Su-Enna hat die Forderung der Krankenkasse zurückgewiesen und ist bereit, den rechtlichen Weg zu gehen. Sie ist zum Glück auch Rechtschutzversichert …

Eine Lösung wäre die Sozialkasse für Alleinerziehende und Kleinstunternehmer.