Aktuell gibt es bundesweit ein Styropor-Entsorgungs-Drama. Baustellen stehen still. Dachdecker und Fassaden-Sanierer sitzen auf Styropor-Abfall-Bergen; Angst vor Auftragsverlust und Stellenabbau geht um. Und was ist mit den Umweltzielen??? Wenn alte Dämmstoffe von Dach und Fassaden garnicht oder nur zu immensen Kosten entsorgt werden können, werden energetische Sanierungen kaum noch durchgeführt werden können. Umweltpolitische Ziele ersticken dann wortwörtlich in Müll!

Seit Jahren wird EUweit darüber diskutiert, was Sonderabfall sein soll und was nicht. Seit mindestens 2013 dürften der Handwerks- sowie der Abfall-Entsorgungs-Branche bekannt sein, dass EPS (Styropor) mit dem Flammschutzmittel HBCD zukünftig als Sondermüll gelten soll. In Deutschland ab 1.10.2016. Eine Entsorgung dessen ist aktuell fast unmöglich. Am 15. Dezember tagt der Bundestag u.a. dazu.
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Kein Dachdecker dachte VORHER an die Entsorgungs-Problematik

Von all dem ahnte ich als Privatperson und Kunde nichts! Keiner der 7 Dachdecker-Betriebe, die mir im 1. Halbjahr 2016 Angebote zur energetischen Dachsanierung vorgelegt haben, erwähnte das EPS-Entsorgungsproblem. Keiner. Jeder bot Bauschutt-Container an; dachte dabei an die Extrakosten für Bitumen-Abfall; aber an Styropor-Entsorgungs-Kosten? Die waren kein Thema.

Ende September stand gerade das Gerüst, die Aufbauer waren noch nicht vom Hof gefahren, da rief mein Dachdecker mich an. “Wir haben ein UNERWARTETES Problem. Wir werden die alte Dämmung nicht los. Wegen einer Gesetzesänderung wird EPS von KEINEM Entsorger mehr angekommen. Wir müssen unseren Termin verschieben! Das hat uns der Dachdeckerverband empfohlen.”

“Bitte was? Den dringend notwendigen Dachsanierungstermin verschieben? Wegen Abfall? Das geht nicht!” Ich antworte ihm, dass es eine Lösung geben muss, da ja EUweit unzählige Betriebe und ihre Kunden betroffen sind. Und vor allem: Mein Dach hat Leckagen! Es muss vor Wintereinbruch saniert werden. Die KfW-Fördermittel dafür sind bewilligt und kosten mich bald Geld.

Styropor darf nicht mehr in den Bauschutt-Container

Styropor darf nicht mehr in den Bauschutt-Container

Der Dachdecker musste loslegen. Bei mir liegen seitdem Styropor-Abfälle auf dem Parkplatz – und werden bis zur politischen Lösung dort bleiben. Die sind jetzt natürlich säuberlich in Säcken verpackt.

Einige wenige Entsorger machen jetzt den Reibach.

Aktuell nimmt nur 1 Entsorger in Schlewig-Holstein die EPS-Dämmstoffe an. Dieser nimmt 180 EUR / pro Kubikmeter. Wären bei mir rund 2.000 EUR!!!! Zweitausend! Für etwas, was bisher Hausmüll war. Auf meinem Dach war nur eine 6cm dicke Dämmung – Aber wie soll es Hauseigentümern gehen, die vor Jahren schon mal die Fassade 20 cm dick dämmten und diese bald erneut sanieren müssen? Wieviele Altbauten gibt es in Deutschland davon?

Bestehende und geplante Förderprogramme werden in Müll ersticken!

Was soll das neu geplante Programm “Effizienzhaus Nature+”? Was nutzen die bestehenden KfW-Förderprogramme? Deren Sinn und Zweck ist das Fördern von energetischen Sanierungen von Wohngebäuden. Dies mit den Zielen, Umweltressourcen zu schonen und den Energieverbrauch zu senken. Doch niedrige Kfw-Zinsen und einmalige Zuschüsse nutzen dem Verbraucher nichts, wenn er hohe zusätzliche Entsorgungskosten für alte Dämmungen zahlen soll.

Im Zweifel werden Hauseigentümer schlichtweg KEINE energetische Sanierung vornehmen.

Fehlt der Politik der Weitblick? 

Einige Bundesländer nahmen bereits die betreffende Verordnung zurück oder erteilten Sondergenehmigungen. Doch vor allem in nördlichen Bundesländern stehen ganze Branchen fast still und Lösungen werden nicht angeboten. Werden die Zusammenhänge nicht erkannt?

Tipp: Ein HBCD-Test vorweg?

Bevor teuer entsorgt wird, kann eine Röntgenfluoreszenzanalyse zwecks Testung von EPS / Styropor auf bromhaltiges HBCD durchgeführt werden. Das kostet beim Fraunhofer Institut wohl um die 500 EUR bei Firma Fischer aber nur 95,- EUR für 2 Materialproben in Postkartengrößen; Dauer: nach Posteingang 48 Std. Das Zertifikat wird von den Entsorgern anerkannt.

Aktuelle Pressemeldungen dazu bei Google News.





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Der Wind peitscht den Regen gegen mein Schlafzimmerfenster. Die Abdeckfolie knistert und verändert sich in meinem Traum zu Rutschgeräuschen von Schnee. Es pfeift und knistert, ein Knall folgt und ich sehe roten Schlamm herabfließen. Wie Schneelawinen am Berghang rutscht meine teure schlammartige Farbe von meiner Hauswand, reißt Steinchen aus dem Waschbeton und bleibt als Schutthaufen vor der Fassade liegen. Rot wie Blut. Alles kaputt! Ich schrecke auf, ziehe mich an und renne nach Draußen …

Alles ist gut! Gerade zieht die Morgenröte den Himmel herauf und taucht meine frisch gestrichene Fassade in sanftes Licht. Das tiefe Ziegelrot schimmert zart wie Seide, leicht feucht vom Morgentau. Genauso soll es sein. Alles ist gut. Es war ein Albtraum. Nur ein Albtraum! Entstanden aus berechtigten Sorgen (Regen unmittelbar nach dem Farbanstrich) und falschen Ratschlägen von den sogenannten Profis.

Inhaltsverzeichnis:

Silikat hält! Oben Ziegelrot, unten wird Sandsteinweiß folgen.

Abenteuer Bau? Oh ja.

Seitdem ich im Sommer 2015 dieses unansehnliche Waschbetonhaus gekauft habe, erlebte ich wahre Abenteuer am Bau. Viele. Aber heute erzähle ich nur vom jüngsten Projekt: der Fassadenmalerei. Mein Haus war so unglaublich hässlich als ich es kaufte, dass selbst meine blühende Fantasie die eine oder andere gedankliche Hürde überwinden musste. Wenn man so ein altes Ding erwirbt, braucht man wohl Mut, einen hohen Energiepegel, handwerkliches Geschick, Organisationstalent, Geld und Fantasie.

“Fantasie ist wichtiger als Wissen” – Albert Einsteins Zitat kann ich uneingeschränkt zustimmen. Es trifft auch bei Haussanierungen zu. Wie eine meiner Schwestern Weihnachten meinte: „Das hätte ich mir nicht vorstellen können, dass das mal so schön aussehen wird! Dazu hätte mir die Fantasie gefehlt.“ Fantasie. Es war die Vorstellungskraft und Kreativität meines Hirns, dass tatsächlich den hässlichen, innen komplett mit Holz vertäfelten, durch und durch braunen und dreckigen Waschbetonbau sah, daraus aber im Hinterstübchen ein modernes Gartenhofhäuschen im Bauhausstill machte. Ich kaufte günstig und investierte. Neben Geld vor allem Arbeit – und Hirn.

Fassadendämmung, verputzen oder streichen? Was geht?

Was sagt das Bauamt? Alles klar. Unser Bauamt antwortete 2015 schon, ich könne farblich machen, was ich will. Vielleicht komme ich noch mal auf diesbezügliche Nörgler und Neider zurück (die sich beim Bauamt beschweren wollten… etc) oder auf Bewunderer aus der Nachbarschaft. Aber da wir mit den Arbeiten längst nicht fertig sind, passiert dahingehend vielleicht noch etwas besonders Erzählenswertes. Im Moment bin ich einfach froh, dass meine frisch gestrichene Hauswand in der Morgenröte leuchtet – und hält.
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Das irgendeine Farbe auf Dauer auf einer Waschbetonwand haften bleibt, bezweifelten Viele. Maler, Nachbarn und Bekannte. Kurz mal mit einer anderen falschen Annahme aufgeräumt: Waschbeton ist zwar hässlich, aber atmungsaktiv und dampfdurchlässig. Im Gegensatz zu Neubauten, die energieoptimiert Luftdicht gebaut werden. Schlussendlich sind in Beton ziemlich viel Sand und Steine – Kiesel. Mineralien! Was soll daran schlecht sein? Und giftige Nebenstoffe, die da mal reingemischt worden sind, dürften nach 40 Jahren längst herausgeschwemmt sein. Immerhin hat die Fassade all die Jahre Regenwasser aufgenommen und wieder abgegeben. OHNE das irgendetwas schimmelte. Das ist auch etwas Gutes an Beton: Da schimmelt nichts. Heißt für mich: Der hässliche Waschbeton ist gar nicht so negativ zu bewerten, wie erst gedacht. Trotzdem bekommt jeder Maler erst einmal eine Krise, wenn er ihn sieht.

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Wir schaffen das: Supermalerin links; Mann-für-Alles i.d. Mitte, Bauleiterin rechts

In Materialkunde sind viele „Fachleute“ echt schlecht.

Das streichen? Da blättert Ihnen die Farbe schon nach wenigen Jahren wieder ab. Wenn Sie wollen, mache ich Ihnen das, aber sie müssen auf Gewährleistung verzichten!“ Muss ich das? Nein. „Vielen Dank für das Angebot, ich werde eine andere Lösung finden!“

Das beste ist, Sie dämmen das Haus nach KfW. Dann sind Sie auf der sicheren Seite, bekommen dafür Fördermittel und sparen in Zukunft eine Menge Heizkosten!“ Das ist teuer. Massiv teuer. Und zerstört die Atmungsaktivität meines Hauses! Niemals. Das will ich nicht. Seit 1.10.16 gibt es dann noch dieses Entsorgungsproblem von EPS/ Styropor …

Ich kann Ihnen nur raten, das Haus komplett zu verputzen und danach zu streichen. Die ganzen Tiefen und Höhen des Waschbetons sind danach weg. Dann haben Sie eine glatte Putzfassade.“ DAS klingt gut. Dafür gibt es gesunde Materialien, die wir auch schon Innen genutzt haben. Ich bekomme zwei Angebote; Preise zwischen 17 und 18tsd Euro. DAS ist zu teuer! Ich MUSS ja schon die Dächer unerwarteter Weise neu decken und dämmen und neu finanzieren. Fast 20tsd Euro für eine schöne Fassade sind da nicht drin.

Heul. Und jetzt? Gibt es Farbe, die auf Waschbeton hält? Ich google das. Als erstes finde ich einen Betonacrylfarbenhersteller. Das ist ein Chemieunternehmen. Was die produzieren hält auf Allem – und ist: Ungesund und komplett Luftdicht. Zufällig wohnt ein Regionalbetreuer in der Nähe und kommt vorbei. Trotz nettem Gespräch und vieler Argumente überzeugen mich deren Produkte nicht.

Ich will keine Chemie auf meiner atmungsaktiven Wand.

Entsprechend recherchiere ich weiter und finde die Firma KEIM aus Süddeutschland. Denen werde ich auf ewig dankbar sein für ihre Suchmaschinenoptimierung und perfekte Verschlagwortung ihrer Texte. Hier fand ich, was ich suchte! Gesunde Fassadenfarbe, die sogar sehr gut für Beton geeignet ist.

Silikatfarbe. Es gibt „reine Silikatfarbe“, die natürlich extrem teuer ist und heutzutage eigentlich nur bei KEIM und im Ökobau zu finden ist. Zum Beispiel bei KREIDEZEIT. Bei letzterem muss man selbst Farbpulver mit Wasserglas vermischen, was nie nicht auf einer großen Farbmenge einen einheitlichen Ton ergeben würde. Ich will einen Rotton. Das „Selbstmisch-Risiko“ gehe ich definitiv nicht ein.

Entsprechend durchforste ich die Website von KEIM im Detail und lasse mich begeistern! Sol-Silikatfarbe und Silikat-Dispersionsfarbe (nach DIN-Norm darf da nur 5% Dispersion drin sein) sind perfekt für Beton, ja sogar Waschbeton geeignet. Und warum? Ganz einfach.

Eine Verbindung auf Ewig – die Funktionsweise von Silikat

Die Steinchen in dem Waschbeton meines Hauses sind Kieselsteine. Kieselsteine sind Mineralsteine (Quarzgestein). Natürliches Silikat ist ebenfalls ein Mineral (Die Erdkruste besteht zu über 90 Prozent, der Erdmantel fast vollständig aus Silicaten).

Durch die Zugabe von flüssigem (mineralischen) Quarz = Wasserglas (Kaliwasserglas oder Lithiumwasserglas (beides super, letzteres hält noch besser) „verschmelzen“ Silikatfarbe und Beton miteinander. Das Fachwort dafür ist „verkieseln“.

Durch diese Verkieselung verbinden sich die Materialien und gehen eine Beziehung auf Lebenszeit ein. Eine Trennung ist nicht möglich. Ein Abblättern auch nicht (wie es bei normaler Fassadenfarbe passiert). Lediglich leichtes „sanden“ kann bei Regen sein, was in leichter Form sogar gewollt ist, weil damit auch Dreck abgespült wird. Nach 15 oder 20 Jahren kann man dann mal nachstreichen und die Farbe auffrischen.

Warum hat mir KEIN einziger Maler solch eine Silikatfarbe vorgeschlagen?

Zum Einem aus Unwissenheit – es mangelt offensichtlich an Materialkunde. Zudem: Der Malvorgang an sich auf Waschbeton ist extrem anstrengend, weil die Tiefen zwischen den Kieseln geschlämmt (gefüllt) werden müssen. Schlussendlich ist Sol-Silikatfarbe teuer und wird in der Regel im Denkmalschutz verwendet.

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Die Website von KEIM ist wirklich informativ! Deren Farbe will ich haben und frage beim Hersteller nach einem Lieferanten. Tatsächlich gibt es eine herstellereigene Beraterin in meiner Gegend. Sie kommt, testet die Saugfähigkeit meiner Fassade und schreibt mir sogar einen Arbeitsplan. Als fachlich versierte Malerin ist sie eine perfekte Beraterin. Die Frau hat richtig Ahnung und sie beantwortet mir infolge noch viele Fragen.

Selbst ist die Frau.

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Evelyn: alleinerziehende Mutter und gelernte Malerin – eine kleine Powerfrau mit viel Kraft

Da kein einziger Malerbetrieb mir diese Art von Farbe angeboten hat, steht fest: Es wird kein Malerbetrieb beauftragt, ich streiche mit Leuten aus meinem Bekanntenkreis selbst. Einer der Putz-Anbieter kriegt den Auftrag für den Gerüstbau. Da fehlt nur noch ein Teil …

Bevor die Arbeiten am Haupthaus vorgestern anfingen, teste ich zwei Produkte:

  • Das günstige PERL-Silikat von der Firma IMPARAT aus Glinde bei Hamburg. In Lübeck gibt es einen Lagerverkauf. Damit ist jetzt mein Anbau gestrichen. Aber: Dunkle Farbtöne können die nicht. Und: Es ist Biozid drin und die Farbe stinkt entsprechend fürchterlich. Mir scheint, dieses Material sandend sehr stark und ist nicht gut genug kristallisiert. Ich traue der Qualität nicht und möchte für mein Haupthaus lieber das Profi-Silikat nehmen …
  • Entsprechend beschaffte ich mir über einen Maler-Freund im Großhandel einen 3 kg Sol-Silikat von KEIM. Wie er mir sagte, ist KEIM der Ferrari unter den Silikatfarben-Herstellern. Das ist er wirklich. Von der Qualität her, wie auch von den Preisen! Ich teste diese 3 kg weiße Farbe, die in einem halbleeren 5-Liter-Eimer ist und bin erschrocken: Die Farbe ist dick und schwer, sodass ich auf dem Waschbeton damit nur 6 qm streichen kann. Das ist 1/5 von der Verbrauchsangabe, die sich auf glatte Wände bezieht!

Unvergleichbarkeit der Silikat-Farbenhersteller-Preise

Außerdem ärgere ich mich sehr, weil alle Hersteller den Verbrauch in Litern angeben, KEIM aber in Gewicht. D.h. 5 l sind bei KEIM tatsächlich nur 3 kg. Andere verbrauchen 200 ml/qm. KEIM 200 g/qm – das ist großer Unterschied.  Damit sind die Hersteller-Preise NICHT vergleichbar!!!

Sol-Silikat Eimergröße
in Liter oder Kilo
Einheit Inhalt
in Litern
Verbrauch
pro qm (1maliger Anstrich)
Einheit QM pro Eimer Farbe Preis pro Eimer Preis pro QM tatsächlicher Preis pro Liter
(NICHT kg)
Preisangabe im Shop
Soldalit (KEIM) 25 kg 15 0,22 kg 68 285,00 € 4,18 € 19,00 € 11,40 € / KG
Kieselit Fusion (Alligator) 12,5 Ltr 12,5 0,17 Ltr 74 199,56 € 2,71 € 15,96 € 15,96 € / Ltr
Perl-Silikat (Imparat) 12,5 Ltr 12,5 0,15 Ltr 83 186,00 € 2,23 € 14,88 € in Ltr
SIGMA Sol Silikat 12,5 Ltr 12,5 0,2 Ltr 63 103,00 € 1,65 € 8,24 € in Ltr
Ergebnis: Soldalit ist im Vergleich mit den anderen Produkten je gestrichenen QM deutlich teurer
(Soldalit = 4,18 €/qm im Vergleich mit Kieselit Fusion = 2,71 €/qm)

Bei allen Qualitätsansprüchen und trotz der tollen Tipps der KEIM-Beraterin: Mein Haus ist kein Luxus-Objekt und braucht bezahlbare Silikatfarbe. Entsprechend recherchiere ich wieder im Internet und finde vergleichbare und absolut nicht vergleichbare Produkte. Siehe dazu auch in die Tipps (unten).

In meine engere Wahl kommt die Sol-Silikatfarbe von SIGMA. Die ist so günstig wie Imparat, klingt wie die KEIM-Produkte, ist aber nicht erhältlich. Ein Großhändler hat die nicht im Sortiment, der andere (eine Unternehmenskette, also groß) hätte eine Bestellzeit von 10-14 Tagen. Testmaterial gibt es schon mal garnicht. Allround-Farbhersteller Caparol hat sehr teure Silikatfarbe. Die von Brillux klingt noch gut. Viele andere Produkte scheiden wegen Materialmangels oder irreführende (Werbe-) Aussagen aus.

Ich entscheide mich für den Farbhersteller ALLIGATOR aus NRW. KEIM ist der Ferrari und Erfinder der Sol-Silikatfarbe, aber ALLIGATOR ist ebenso auf solche Art Farbe spezialisiert und seit den 60er Jahren damit am Markt. Entsprechend haben die langjährige Erfahrung. Ich vertraue deren Prospekt. ALLIGATOR scheint die einzige Firma neben KEIM zu sein, die sich dem Thema „Silikat-Farben“ ebenso intensiv gewidmet hat. Die Erklärungen sind toll. Inhaltsstoffe auch. Der Preis ist mittelprächtig, aber für mich okay (5er-BMW, aber kein Ferrari).

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Toskana-Farben sollen es sein. Vor allem: Ziegel- bzw. Backsteinrot – wie rote Erde.

Einziger Mangel: Kein Händler in der Nähe (zw. Lübeck und Hamburg) hat aktuelle Farbfächer oder überhaupt einen Farbfächer. Aber: Ich rufe ja auch Hersteller direkt an. Jetzt auch. Der regionale Berater lässt mir einen Farbfächer zusenden. Tatsächlich kommen drei (3)!. Während des Postwegs, den ich Ungeduldige kaum abwarten konnte, fand ich einen Händler in Hamburg, der mit mir Backsteinrote-Farbe im alten Farbfächer, beinahe identisch mit der backsteinroten Farbe von KEIM fand. Braune Fensterrahmen und backsteinfarbene Stufen vor der Haustür schränken meine Farbwahl stark ein. „Toskana-Farben“ wünschte ich mir. „rote Erde“ = Backsteinrot gehört dazu. Braune Fassade wird also zu „Roter Erde“ und die grauweiße Unterhälfte meines Hauses wird zu „Sandsteinweiß“.

Würde ich keinen dunklen Farbton haben wollen, würde ich die Sol-Silikatfarbe von ALLIGATOR nehmen, da die keine Grundierung erfordert. Die gibt es aber nur in Pastellfarben. Wegen meines dunklen Rottons kommt nur die normale Silikat-Farbe infrage.

alligator-kieselitDie Verarbeitung der ALLIGTOR- Fassadenfarbe ist leichter, als die der KEIM-Farbe, da dünnflüssiger. Ein 2. Anstrich wird notwendig sein. Die Grundierung ist bei allen 3 getesteten Produkten nervig, weil das Wasserglas-Produkt flüssig wie Wasser ist und die Fassade runterläuft. Zudem „ätzt“ das Zeug (alkalisch) und darf nirgendwo raufkommen. Von Fensterglas ist es nicht zu entfernen. Kleidung bleicht es!

Letzte Produktinfo: Als Biozid, gegen Algen und Moose, habe ich das „Fungisol“ von SIGMA genommen, da es den am wenigsten giftigen Wirkstoff enthält (wird auch in Medikamenten und zur Wunddesinfektion verwendet) UND am schnellsten überstreichbar ist (6 Stunden, alle anderen 24 Stunden).

Praxis-Erfahrung, Wetter und Tipps

An meinem Haus kristallisiert nun edle „Denkmalschutz“-Farbe mit dem Waschbeton und wird niemals wieder abgehen.

Selbst mit Gewalt nicht. Siehe Video. Gott bin ich dankbar über die Qualität dieses Materials! Mein Albtraum wurde dadurch ausgelöst, dass es gestern, am Sonntag in den letzten Sekunden des Streichens einer Hauswand zu regnen anfing. Regen! Sofort nach dem Anstrich. Je nach Hersteller ist die Silikatfarbe nach circa 6 Stunden schlagregenfest. Überstreichbar in der Regel nach 12 Stunden.

Blöde Wetter-APPs! Zwei verschiedene Wetter-APPs haben für Sonntag keinen Regen angesagt. Ständig haben wir den Wetterbericht kontrolliert. Es sollte trocken bleiben. Und dann das: Farbe gerade drauf, in der Ferne ist Donner zu hören, Wolken ziehen auf und ein halbstündiger Schauer ergießt sich über unseren frischen Anstrich! Das ist noch nass! Gerade drauf!

Gerade gestrichen fällt Regen drauf - sie hält.

Gerade gestrichen fällt Regen drauf – doch: sie hält.

Besorgt und rauchend sitzen meine Supermalerin und ich im Anbau und beobachten, was passieren wird. Läuft die Farbe wieder runter? Haben wir gleich eine große rote Überschwemmung im Garten? Ich sehe schon Blut fließen … Aber tatsächlich tut sich nicht viel. Auf der Wetterseite wird die noch nicht getrocknete Farbe zwar feuchter und ein leicht rosa Wässerchen tröpfelte auf den Boden. Aber auf der windabgewandten Seite passiert – nichts. Weder saugt die Fassadenfarbe Wasser auf, noch läuft sie rosa runter. Alles ist gut.

Genau das glaube ich, bis in der Nacht starker, langanhaltender Regen fällt. Welchen Albtraum ich deshalb hatte, wisst ihr schon. Und wie es jetzt aussieht auch: gut!

Lobe den Tag nicht vor dem Abend … es kann noch viel passieren, bis wir fertig sind.

Aber: Was ich jetzt und heute sehe, gefällt mir und hat bis hierhin funktioniert. Gut zu wissen: Das Reinigen und Grundieren der Fassade ist zeitraubend, anstrengend und unbefriedigend, weil keine Erfolge zu sehen sind. Für Abklebe-Arbeiten braucht mach Geduld … Und ein zweiter Anstrich ist notwendig – NACH den Dachdeckerarbeiten. Heißt: Es gibt noch viel zu tun.
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Ich strecke mich. Mein Rücken schmerzt. Das Sitzen am Schreibtisch tut mit nicht gut. Text online stellen, Kind aus dem Bett locken und dann nichts wie raus an die Luft – mich bewegen. Vielleicht sollte ich Malerin werden?

Tipps für Fassadenfarben-Suchende:

Die verschiedenen Hersteller vergleichen gerne „Äpfel mit Birnen“. Silikatfarbe ist nicht gleich Silikatfarbe! Achten Sie auf folgendes:

  • Um so farbintensiver, um so teurer. Weiß kostet 1 bis 2/3 weniger, als ein dunkler, kräftiger Farbton.
  • Silikatfarbe ist hinterher MATT-Stumpf, mit dem Untergrund festverbunden und sandet leicht. Durch die Lichtbrechung in den Mineralien sind die Farben kräftig, beinahe leuchtend (wie Sonne auf Sandkörnern).
  • Vergleichen Sie richtig: KEIM gibt den Verbrauch in g/kg an, alle anderen Hersteller in ml/L (z.B. Fa. ALLIGATOR). Heißt: In KEIM-5-Liter-Einer sind nur 3 Liter drin! Zudem ist die KEIM-Farbe so dick, dass der Verbrauch sehr hoch ist.
  • Sol-Silikat und gute Silikat-Dispersion enthalten nicht mehr als 5% Dispersion (dann leidet die Dampfdurchlässigkeit)
  • „Sol-Mineralfarbe“ ist nur ein Werbewort und kein Sol-Silikat. Gleiches gilt für „Silikatfarbe“ und „Mineralfarbe“ – das ist nicht dasselbe. Achten Sie auf die Inhaltsstoffe im Detail!
  • Biozide gehören da nicht rein. Steht entsprechend drauf „mit Biozid-Schutz gegen Algen“ ist „Gift“ mit reingemischt. Ein „guter“ Maler streicht einen Algenschutz separat vor dem Farbanstrich auf die Fassade.
  • Wer keine dunklen, tiefen Farbtöne haben möchte (so wie ich mit dem Rot), sondern gerne leichte, helle Farben, kann Sol-Silikat von verschiedenen Herstellern nehmen.
  • Die beste Qualität: echte Sol-Silikatfarbe haftet auf ALLEN Untergründen und bedarf nicht unbedingt einer Grundierung (nur bei stark saugenden).

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Letztes Jahr habe ich gezielt nach einem “gesunden” Boden gesucht und war froh, die Produktserie “NEO Wood” von Firma Classen (Deutscher Hersteller) entdeckt zu haben. Leider kann ich jetzt nur negative Bewertungen geben. Ich bin massiv enttäuscht!

Der Boden quilt bei Sonneinstrahlung auf. Flecken wurden dunkler.

1. Flecken im Material

Nachdem wir letztes Jahr 2 Räume ausgelegt hatten, stellten wir Farbflecken im Material fest. Bereits – in der Raummitte – verlegte Dielen mit Flecken hatten wir nicht wieder herausgerissen, da wir einziehen mussten; auch die doppelte Verlegearbeit wäre unzumutbar gewesen.

Nur in den folgenden Räumen konnten wir aus den neuen Verpackungen vorab fleckige Dielen entsorgen. Die Lieferfirma hatten uns Ersatz geliefert.

Die Flecken auf den bereits verlegten Dielen sind mittlerweile massiv nachgedunkelt (von kaum wahrnehmbar in dunkelgelb/orange), sodass sie jedem ins Auge springen!

2. Verformung als Reaktion auf Wärme

Noch viel schlimmer ist die Reaktion auf Sonnenwärme! Im Wohnzimmer auf der Südseite, vor der Terrassentür, verformt sich seit Wochen an jedem Tag an dem die Sonne scheint, der Boden!

Die Dielen quellen auf mehreren Metern regelrecht auf!! Der Boden wölbt sich bei direkter Sonneneinstrahlung auf, vergleichbar mit einem aufblähtem Bauch.




Nachdem die Sonneneinstrahlung aufhört, vergeht auch wieder die Boden-Verformung. Mittlerweile sind aber Spuren zurückgeblieben, da das Material – wenn es sich nach oben aufbläht – die Fugen auseinanderdrückt. Sie ziehen sich nicht mehr ganz zusammen.

In der Nähe unseres Kamins haben sich Fugen auseinandergezogen – ich hatte eine Reaktion auf Wärme schon vermutet, sehe aber jetzt erst – im späten Frühjahr – den Beweis durch die Reaktion auf Sonne.

Reklamiert und Schadensersatz gefordert.

Nunmehr hatte ich endlich die Zeit, beim Lieferanten und Hersteller die Ware zu reklamieren und Schadensersatz zu fordern. Ob ich meine Rechtsschutzversicherung nutzen muss?

Die Erfahrungen von Anderen lassen es vermuten, u.a. diese hier: http://baublog4.myblog.de/

 

 

geschrieben 2011; überarbeitet 2014

Stachybotrys Chartarum – stand auf dem Bericht des Labors, welches ich in den Händen hielt. Stachy was? Keine Ahnung. »Betreten Sie niewieder die Räume. “Wie bitte? Ich soll nie mehr in mein Büro gehen?

Papier zur Seite gelegt, suche ich im Internet nach einer Erläuterung. Stachybotrys Chartarum ist einer von vielen, vielen Schimmelpilzen auf der Welt. Doch er ist einer der Giftigsten! Er schüttet Mykotoxine, sprich Pilzgifte, aus. In Cleveland, USA, soll ein Baby nachweislich daran gestorben sein!

Ich bin entsetzt. Und dieser Schimmelpilz ist also der, der hinter meinem Aktenschrank an der Wand klebt? Die Bärentatzengroßen fellartigen schwarzen Flecken versprühen etwas Toxisches? Ich bin gerade von meiner Mutter-Kind-Kur zurückgekommen! Meine Kopfschmerzen, die Schwindelgefühle, Konzentrationsschwäche, Müdigkeit und Haarausfall habe ich vielleicht nicht, weil ich überarbeitet bin? Kann es sein, dass ich keinen Burnout hatte, sondern der Schimmelpilz an allem schuld ist?

Rechtstreitigkeiten sind zu erwarten.

Ich schreite zur Tat und rufe den Vermieter an. Der kommt und sagt: »Das ist Ihre Schuld. Sie haben zuwenig gelüftet!” Dieses Büro hat einen offenen Kamin und eine 4 m lange Terrassentür!

»Ich habe ganz sicher nicht zu wenig gelüftet. Es zieht hier fast dauerhaft», kläre ich den Mann auf. Das ganze Haus ist feucht. Im Keller muffelt es schon geraume Zeit. Die drei Wasserschäden, die wir in den letzten Jahren durch die defekten Abwasserleitungen hatten, haben jedes Mal das gesamte Erdgeschoss durchnässt. Jedes Mal musste der Fußbodenbelag ausgetauscht werden. Ich habe zwar eine Ahnung davon, vermute aber, dass das Schreiben vom Schornsteinfeger nun auch eine neue Bedeutung bekommt. Der schrieb, die Schornsteine wären undicht und müssten instand gesetzt werden – letztes Jahr!

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Hätte der Eigentümer rechtzeitig gehandelt und die Schornsteine wieder wasserdicht gemacht, wäre es dann nicht soweit gekommen? Vielleicht. Fakt ist: Das Labor sagt mir am Telefon, dass der Stachybotrys Chartarum nur bei einer Wandfeuchte von 90% wächst. 90 Prozent! Das ist nass, nicht nur feucht! Bevorzugt frisst er Zellulose, also Papier. Deswegen wuchs er nicht auf der Steinwand, sondern nur auf der tapezierten Innenwand.

Ursachenforschung kommt vor der Behebung …

Und wie geht der wieder weg? Die pelzigen, 3-4 mm dicken Teller an der Wand dürfen nicht trocknen. Dann lösen sich die gefährlichen Sporen! Und jetzt? Rufe ich einen Fachmann an? Ich brauche wohl einen Sachverständigen und Gutachter – mit dem Vermieter wird es Auseinandersetzungen geben, da er weiterhin ans schlechte Lüften glaubt. Der Sachverständige soll herausfinden, was die tatsächliche Ursache für den ungebetenen Besucher ist. Er kommt sofort am nächsten Tag. Falsches Lüften schließt er sofort aus. Das ist meistens nur in Bädern und zum Beispiel in Schlafzimmern (Menschen verdunsten pro Nacht circa 250-300 g Feuchtigkeit) der Grund für Schimmel.

Der Sachverständige besichtigt das Haus von Innen und von Außen. Misst die Luft- und Wandfeuchtigkeit. Läuft in den Keller (findet dort u.a. Salzpeterausblühungen (normal im Neubau an Außenwänden; merkwürdig im Altbau an Innenwänden) und klettert aufs Dach. Und findet nicht nur die defekten Schornsteine sondern auch eine defekte Dachrinne. Sie ist in der Länge auf fast 3 Metern gerissen. Regen und Schneeschmelzwasser sind vermutlich über Jahre in die Wand darunter eingedrungen – und sie durchnässt. Ein idealer Nährboden für Schimmelpilze.

Rechtzeitiges Handeln hätte das Schlimmste verhindert.

Den Stachybotrys Chartarum zu entfernen ist schwierig und aufwendig. Die Umgebung muss luftdicht abgesiegelt werden, damit die Sporen sich nicht über die Luft verteilen. Alle Gegenstände müssen entsorgt, gewaschen oder mit Alkohol (kein Essig!) gereinigt werden. Bücher, Tapeten und anderes aus Zellulose ist hoffnungslos verloren … Es muss mit Atemschutzmaske und -kleidung fachgerecht entfernt werden. Im Anschluss kann zusätzlich das gesamte Haus mit OZON vergast werden.

Selbstverständlich müssen alle Baumängel am Haus saniert; vor allem die Dachrinne und die Schornsteine müssen entfeuchtet und wasserdicht instandgesetzt werden.

»Was an diesem Altbau durch Defekte entstanden ist,» erzählt mir im Abschlussberatungsgespräch der Sachverständige, »entsteht bei Neubauten schon in der Bauphase. Wenn Sie hier nun ausziehen und sich etwas Neues suchen, achten Sie darauf, dass das Haus nicht in der kalten Jahreszeit gebaut wurde. Wenn im Winter im Ergeschoss zum Beispiel die Wände geputzt werden, steigt die Feuchtigkeit nach oben unters Dach – unter die Dampfbremse – und sammelt sich dort.» Gut zu wissen, denke ich. Ob ich den Mann zu jeder Immobilienbesichtigung mitnehme?

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