Erstmals wurde im Bildungsmonitor 2018 der Bereich “Digitalisierung in Schulen” vertieft untersucht. Das Ergebnis zeigt: Deutschland liegt im internationalen Vergleich schwach im Mittelfeld. Wie kann der Sprung an die Spitze der digitalen Bildungslandschaft gemeistert werden?

Dies einer von zwei Beiträgen von Susanne Braun-Speck (@SBraunSpeck) beim Booksprint von der Bertelsmann Stiftung zum Thema “Vereinbarkeit 4.0.”. Das Buch wird im Januar 2019 herausgegeben und gemeinfrei sein. Eine vorherige, kürzere Textversion aus September auf diesem Portal ist gelöscht worden.

Der Bildungsmonitor vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln läuft im Auftrag der Initiative “Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM). Er zeigt, dass Deutschland bei der Computernutzung an Schulen, bei den IT-Kompetenzen der Schüler und bei der Forschung Nachholbedarf hat. Innerhalb Deutschlands zeigt sich ein differenziertes Bild: Bayern und Baden-Württemberg zeigen hier Stärken. Schleswig-Holstein und viele der neuen Länder schwächeln. Siehe Factsheet SH. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM wird in deren Pressemitteilung vom 15.8.2018 wie folgt zitiert: „Für die Digitalisierung brauchen wir eine bessere Ausstattung der Schulen, mehr Lehrerfortbildung, mehr Austausch über innovative digitale Lehr- und Lernkonzepte und vor allem eine regelmäßige Überprüfung digitaler Kompetenzen der Schüler und ihrer Lehrer.“

Konkrete Lösungsvorschläge liefert ein Reinfelder Thinktank

Auch ein Elternteam mit einschlägigem Fachwissen aus Reinfeld (Holstein) macht sich Gedanken darüber. Vor den Sommerferien stand bereits die Idee im Raum, ein Lernportal für den Unterricht aufzubauen und jetzt zudem die Position eines Digitalisierungs-Managers in Schulen einzuführen. Für ein in SH und HH kurzfristig skalierbares Pilotprojekt werden Sponsoren und Kooperationspartner gesucht.

Zum Reinfelder Digitalisierungs-Thinktank-Team gehört Susanne Braun-Speck, die bereits die beste Online-Schülerzeitung Deutschlands 2018 – erKant.de – coachte. Sowie René Krolow (CDU), der in den Sommerferien zur Schülerzeitungsredaktion Kontakt aufnahm, um zusammen herauszufinden, wie die Oberstufe der Immanuell-Kant-Schule in Reinfeld belebt werden kann. Aktiv mitarbeiten wird auch Barbara Hilgert, die Mutter von 3 Schülern (m/w) und KMU-Beraterin im Bereich “Work 4.0 – Digitalisierung im Arbeitsleben” ist. Krolow ist IT-Projektleiter und Braun-Speck Webdesignerin und Content-Marketing-Fachfrau. Zusammen sind die drei ein fachlich versiertes Team! Die richtigen Fragen aus der Elternschaft, die mit digitalem Arbeiten bisher kaum etwas zu tun hatten, stellt u.a. Team-Mitglied Petra Naethbohm. Im September 2018 lernte sie bei Braun-Speck, wie am PC Bewerbungen erstellt und per E-Mail versendet werden. „Ich bin jetzt Anfang 50 und muss lernen, wie das geht, damit ich meine Tochter unterstützen kann. Ist das nicht eigentlich die Aufgabe der Schule in Zeiten wie diesen?“

Jüngster Bildungsauftrag für Lehrer (m/w) ist, in allen Schulfächern digitales Lernen und Arbeiten einfließen zu lassen. Doch: Das ist einfacher gesagt als getan, denn vielen Lehrern geht es ähnlich, wie Naethbohm: Sie sind nicht mit PC, Handy und den Möglichkeiten des Internets aufgewachsen.

Aber wie kann nun digitale Bildung gelernt und gelehrt werden?

“Vor den Ferien war ich u.a. Teilnehmerin einer Konferenz mit Lehrern, bei der der Lehrplan durch digitale Lehrinhalte erweitert werden sollte. Hier waren deutlich Umsetzungsprobleme zu spüren, die von Lehrer- sowie Technikmangel, Generations-Konflikten und fehlender Praxis herrühren: Woher sollen Knowhow, Technik und Zeit dafür kommen? Im September fand dazu eine einmalige Veranstaltung in Kiel statt. Wieviele Lehrer dort wohl zeitgleich – während der üblichen Unterrichtszeit – hingefahren sind?“ Fakt ist: In Schulen wird nach wie vor überwiegend Frontalunterricht mit Tafel und Papier gegeben. Wie sieht nun digitales Lernen und Arbeiten aus? So zum Beispiel:

Die Reinfelder Jugendredakteure (m/w) von erKant.de, der derzeit besten Online-Schülerzeitungs Deutschlands, und ihr Coach arbeiten voll digital.

Eine Online-Schülerzeitung ist ein digitales Produkt, mit digitalen multimedialen Inhalten und digitalen Arbeitsvorgängen. Obwohl die Redakteure von erKant.de ein eigenes Redaktions-Büro im Alfa-Park #1, aber aktuell keinen Internetzugang haben, treffen sie sich dort zwar zu Meetings, aber nicht zum aktiven Arbeiten. In der Praxis gestaltet sich die Teamarbeit also überwiegend digital. Beispielsweise so, wie jetzt bei Marwin, 12j, neu bei der Schülerzeitung. Er war bereits bei zwei Meetings von erKant.de dabei und arbeitet und denkt virtuell über deren WhatsApp-Gruppe bereits mit. Leider fand das Team noch nicht die Zeit, einen weiteren Workshop abzuhalten. Die Einarbeitung sowie Teamarbeit findet also überwiegend digital statt. Das nach Schulschluss, sehr oft am späten Nachmittag und an den Wochenenden.

Die Anfänge lernte Marwin in der Schulprojektwoche kennen. Projektleiter waren zu dem Zeitpunkt die Redakteure Minoka Braun und Marvin Ladwig; unterstützt aus der Ferne (remote) von ihrem Coach Susanne. Auch bei solchen, eigentlich schulinternen, Aktionen steht sie immer bereit – per Whatsapp, Telefon und E-Mail, in 2017 auch persönlich vor Ort. Grundsätzlich investiert sie seit Februar 2017 pro Woche zwischen drei und zehn Stunden Arbeit in das gemeinnütziges Projekt, das von ihr und ihrem Verein sii-kids & -talents e.V. gesponsert wird.

Seit der Projektwoche sind zweimal Ferien vergangen, bevor das jüngste Mitglied endlich seinen zweiten Artikel schreiben konnte. In der Zeit waren die Erinnerungen verblasst, aber das ist nicht schlimm, denn: Wie auf der Online-Schülerzeitung Artikel gestellt werden können und vieles Weitere, ist in Lern-Videos erklärt. Diese Videos können sich die Jugendredakteure und solche, die es werden wollen, jederzeit online ansehen – so oft sie wollen. Die einen Schüler und Schülerinnen (kurz: SuS) begreifen schnell, die anderen brauchen Wiederholungen – jeder lernt im eigenen Tempo und: Wann und wo und was er will!

Zurzeit stehen den Redakteuren von erkant.de 18 Lern-Videos sowie diverse Infotexte (auch zum Thema Recht wie Datenschutz, uvm.) zur Verfügung, die ihr Coach nach und nach produziert hat. Die Videos sind nicht professionell und nur so nebenbei – probono, wie alles andere – von ihr erstellt worden. Aber es reicht, um als SuS einfach loszulegen und Schritt-für-Schritt Online-Redakteur zu werden.

Soweit die Theorie. Ansonsten gilt hier: learning by doing … Das digitale Lernen und Arbeiten kann selbständig begonnen und erprobt werden. Für das Erlernen des journalistischen Handwerks und für die vielen tausend Details der digitalen Arbeit braucht es allerdings auch Menschen – d.h. bei erKant.de die Teamkollegen aus dem Kreis der Jugendredakteure und deren Coach. Manche Fragen kehren immer wieder, zu Themen und Inhalten, Schreibstil, Bilddateigrößen, Datenschutzfragen und vielem mehr.

Arbeitsmittel sind überwiegend Smartphones und die PC´s der Eltern zuhause. Smartphones werden zu Allem und Nichts genutzt: zum Schreiben auf der Website, zum Fotografieren und Video drehen, zum Aufnehmen von Interviews, Terminplanung und natürlich zur Kommunikation (Whatsapp und E-Mail) sowie für grafische Arbeiten (Plakate entwerfen, etc.). Besser geeignet wären dafür Tablets – etwas Geld dafür haben die Jugendredakteure – selbst gewonnene Preisgelder. Für ein interaktives Whiteboard reichen die Eigenmittel aber nicht …

Ein „Unternehmen“ führen und digital Lernen und Arbeiten in allen Facetten

„Tatsächlich ist es ja so, dass eine unabhängige Schülerzeitung (beachte die rechtliche Abgrenzung zur Schulzeitung) wie eine Firma ist. Das heißt, wir haben im Februar 2017 bei der Namensfindung und Marktpositionierung angefangen, es folgte das Teamfinden und das WebDesign. Heute haben wir natürlich immer wieder Aufgaben im Bereich des Personalwesens, Marketing, Technik und Finanzen  – und das überwiegend digital!“ sagt Susanne Braun-Speck, die auch Initiator der Schülerzeitung war. „“Meine“ Jugendredakteure lernen hier fürs Leben und sind teilweise enorm daran gewachsen – persönlich, als Menschen. Nicht zuletzt durch die zwei Gewinne beim Schülerzeitungs-Wettbewerb der Länder 2018 #2. Außerdem weiß ich, dass ich sie durch unsere Online-Schülerzeitung fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft mache – was wir hier tun, ist digitales Lernen und Arbeiten in allen Facetten.“

Das Coaching der Schülerzeitung versteht Susanne Braun-Speck als Teilaufgabe von jemanden, dessen Berufsbild sie vor wenigen Wochen kreiert hat. Dem:

Digitalisierung-Manager für Schulen

Schulen haben die Digitalisierung als Zusatzaufgabe, wofür es i.d.R. keine speziellen Lehrkräfte oder andere Fachmitarbeiter gibt. Medienentwicklungspläne sollen „nebenbei“ erstellt werden – was nur über einen langen, mehrjährigen Zeitraum geschehen kann. Genau das geht nicht! Wer bereits der weltweiten Entwicklung hinterherhinkt, muss schneller laufen, um nicht abgehängt zu werden! Dafür hat das Reinfelder Digi-Thinktank das Berufsprofil des Digitalisierungs-Managers (m/w) entworfen.  Was er/sie alles für Schulen IN Schulen vor Ort machen kann, teilt das Team auf Anfrage gerne mit. Die Ministerien fordern die Schulen im Rahmen dessen dazu auf, für digitale Hilfsmittel und technische Infrastruktur sowie Beratung & Schulung kompetentes Personal zu stellen (kein Ehrenamt) – und es sich ggf extern zu beschaffen (Quelle für SH).  

Ist das Digi4Schools-Konzept eines, das aufgehen könnte? Interessierte Sponsoren & Kooperationspartner oder auch weitere Lernbegleiter mt IT-Knowhow und/oder interessierte Schulen finden hier weitere Infos und Kontaktdaten: https://digi4schools.de/

Fakten-Check: Welche Komponenten haben Digitalisierungs-Vorhaben?

·        Menschen & ein Steuerungsteam – Der Schulträger, Schüler, Lehrer und Eltern sind direkt betroffene Personen die mit Veränderungen im Schulalltag leben und arbeiten müssen. Sie sollten alle von Anfang eingebunden sein; das Steuerungsteam durch sie begründet und von externen Beratern begleitet werden. Die Auseinandersetzung mit der Thematik „Digitalisierung“ ist schon ein Teil des Ziels und nutzt allen beteiligten Personen, ja sogar den Stadtverwaltungen (meist Träger der Schulen).

·        Finanzielle Mittel – Der DigitalPakt ist in trockenen Tüchern (vorausgesetzt die Änderungen im Grundgesetz erfolgen auch) und auf Länderebene vorbereitet; Gemeinden stellen ihren Schulen bereits Gelder zur Verfügung und Akteure stehen bereit. Doch schlussendlich sind es Firmen und Betriebe, die fürs Arbeitsleben digital geschulte Jugendliche als Nachwuchs brauchen. Sie sollten helfen und durch Spenden den Schülern „Flügel“ verleihen; sprich ihnen technische Hilfsmittel und Manpower finanzieren.

·        Hardware & Netzwerke – Eine Netzwerkstruktur wird gebraucht, mit Servern, Routern, LAN, WLAN, Internetzugang, Security-Konzepten; interaktive Whiteboards, PC´s, Laptops u/o Tablets, Dokumentenscanner; Cloud- / Speicherlösungen uvm. sowie ggf. BYOD-Geräte, etc. Bei der Beschaffung von Hard- & Software sind insbesondere die Zusatzaufwände durch Installation, Wartung und Support zu beachten und zu vergleichen – vor der Anschaffung!

·        Apps & Software – Standard-PC-Anwendungen, Lern-Apps / -programme, Web-User- & Multimedia-Tools, interne Management-Systeme, Augmented Reality, etc. Schüler sollten darüber auch skizzieren, kommentieren und zusammen­arbeiten können und Lernmittel (vor allem Bücher und Arbeitsblätter) in digitaler Form nutzen können; Video-Learning bringt viel, uvm. Um neue Anwendungen zu finden und zu wählen, kann der Weg das Ziel sein! Zum Beispiel durch ein erstes Pilotprojekt, das vor dem „großen Wurf“ kommt.

·        Konzepte & Methoden –  Wie funktioniert ein virtuelles und ein „flipped“ Klassenzimmer? Was sind die Besonderheiten bei Remote-Arbeiten? Design-Thinking, schülerzentrierter Unterricht, kollaboratives Arbeiten, blended und e-learning? Wir wird Kreativität gefördert und in dezentralen Teams sowie in Gruppen gearbeitet? Viele neue Methoden müssen erprobt werden! Der Weg dorthin muss gezielt und klar geplant werden, ein MEP erstellt werden – sonst gibt es keine Fördermittel.

·        Knowhow & Praxis – Generationen von Lehrern und Eltern sind nicht mit PC, Handy und den Möglichkeiten des Internets aufgewachsen. Es gibt in vielen Schulen weder speziell ausgebildetes Personal noch flächendeckende einschlägige Erfahrungen. Dabei ist Anwender- und Lehrer-Knowhow entscheidend für den Erfolg jeglicher Digitalisierungs-Maßnahme! Deshalb ist unser Konzept, spezielle Digitalisierungs-Manager für Schulen IN die Schulen zu senden, enorm zielführend!

Weiteres siehe unter: digi4schools.de


# Hinweise:

#2 Gewinne beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2018 – erKant.de wurde 2018 beim SZWdL zweifach ausgezeichnet. Die aktuell beste Online-Schülerzeitung Deutschlands gewann den Innovationspreis vom Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger (@BDZV) sowie mit ihrem Artikel über „Mobbing“ (Werner-Bonhoff-Stiftung)

#1 Das Redaktionsbüro wird gesponsert. – Der Raum an sich wird von Armin Moghaddam (pistazien.de) zur Verfügung gestellt; die Büro-Ausstattung vom Coach Susanne Braun-Speck (tiefenschaerfe.de; @SBraunSpeck); 2 PC´s aus dem sii-kids-Forscherlabor kamen von der Firma IT-Tec.

*Quellen & Links:

  1. ISNM Bildungsmonitor: https://www.insm-bildungsmonitor.de/
  2. Pressemitteilung des INSM: www.insm-bildungsmonitor.de/pdf/bildungsmonitor-2018-bundesweit.pdf
  3. Digitalisierungs-Manager: https://digi4schools.de
  4. Online-Schülerzeitung: https://erKant.de
  5. Wegweiser Digitale Bildung, www.netzwerk-digitale-bildung.de
  6. Digitale Bildung in SH: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/IQSH/Arbeitsfelder/LSBB/SchulentwicklungQM/digitaleBildung.html
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