Wer geistig abdriftet, hat einen leeren Blick, wirkt teilnahmslos. An ihm rauscht das wahre Leben vorbei. Passiert das in Gegenwart anderer Menschen, wirkt das auf diese oft unheimlich, auf manche aber auch, als wäre der Gedankenlose dumm. Ein Phänomen, das insbesondere Hochbegabte  kennen, wenn sie vor geistiger Langerweile in der Schule, in Konferenzen, etc ihr Hirn ausschalten. Grundsätzlich klingt solch geistige Abwesenheit normal. Ab wann ist sie besorgniserregend? Ab wann krank?

  1. Wie normal ist es, wenn jemand im Allag geistig so abschaltet, dass er seine Umgebung wirklich nicht mehr wahrnimmt und auch auf direkte Ansprache nicht reagiert?
  2. Oder sich fragen muss, wie er von A nach B gekommen ist? Ist das psychisch krank oder eine normale Reaktion auf Unterforderung?
  3. Kann das was mit introvertierter Arbeit zu tun haben, wie z.B. Informatiker sie kennen?
  4. Entsteht ähnliches bei Computerspiel- / Mediensüchtigen? Wenn ja: Was wird aus unseren Jugendlichen, die heutzutage gefühlt alle mediensüchtig sind?
  5. Wie beeinflusst Müdigkeit, sprich Schlafmangel, so ein Abschweifen des Gehirns?
  6. Was passiert, wenn das Gehirn dauerhaft mässig aktiv ist? Nachts arbeitet, nicht zur Ruhe kommt und tagsüber in sich versunken, ähnlich gering geistig aktiv ist?

Es gibt Menschen, die würden sich jetzt so einen Text hart erarbeiten. Ihn Gedanken für Gedanken, Satz für Satz, bewusst herleiten. Es gibt andere Menschen, die schalten geistig ab und schreiben einfach auf, was ihr Hirn “unüberlegt” produziert. Wer dabei tief in Gedanken konzentriert “arbeitet” wirkt nach außen abwesend – das ist normal. Gleiches kennen vermutlich die in Nullen und Einsen denkenden Informatiker, die als Programmierer beziehungsweise Entwickler arbeiten. Ihnen wird oft vorgeworfen, nicht normal denken zu können. Bei Computerspielern sehen Dritte tiefergehende geistige Abwesenheit, oft einen wirren Blick und aggressives Verhalten, wenn der Computerspieler in die Realität zurückgeholt werden soll – dessen Aufmerskamkeit zu erregen ist oft schwer.

Ab wann ist geistige Abwesenheit nicht mehr normal, sondern krankhaft?

“Immer dann, wenn ich eine Phase habe, in der ich sehr sehr viel Zeit am Computer verbringe und hauptsächlich Entwicklerarbeit mache, stelle ich fest, dass ich im realen Leben geistig abwesend bin. Das geht soweit, dass sich Menschen vor mich stellen, mich ansprechen – und ich nicht reagiere!

Einmal hat mich eine Bekannte in einem Lebensmittelladen mehrmals angesprochen, sich direkt vor mich gestellt, versucht, meine Aufmerksamkeit zu bekommen – nichts, sagte sie. Ich habe auf nichts reagiert. Später an der Kasse stand sie hinter mir, als ich bezahlte. Da sah ich sie und sagte fröhlich “Hallo!”. Sie guckte mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle und erzählte mir dann, sie wäre schon beleidigt gewesen, weil ich nicht mir ihr gesprochen habe. Sie erzählte dann genau, wie und wo im Laden, sie versucht hatte, meine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ich habe davon nichts mitbekommen. Nichts! Bin ich noch normal?” fragte mich ein befreundeter Entwickler.

Erschreckend ist auch das Erlebnis einer Nachbarin, mit der beim Spaziergang darüber sprach: “Wie jeden Tag ging ich mit meinem Hund spazieren. Morgens ist es immer die gleiche, vertraute Strecke – da brauche ich nicht auf den Weg zu achten. Er ist gefahrlos. Oft stelle ich dabei fest, dass ich geistig abdrifte und in meinen Gedanken ganz tief versunken bin. Wenn mir dann Menschen entgegenkommen, reagiere ich nicht immer auf sie, vergesse schon mal Hallo zu sagen.

Jüngstes Erlebnis: Normalerweise lasse ich den Hund immer an der gleiche Stelle von der Leine. Tat ich vorgestern aber nicht. Erst als ich die kurze Runde fast zuende gegangen war, fiel mir auf: ich hatte den Hund immer noch an der Leine. Normalerweise würde ich das auf dem Weg nicht tun. Normalerweise wäre er total nervig an der Leine, weswegen ich ihn schon abgeleint hätte, außer es wären viele Menschen oder andere angeleinte Hunde in der Nähe. Das komische war: mein Hund zog noch nicht mal an der Leine. Wieso? War ich geistig so tief abwesend, dass er meinte, mich führen zu müssen? Muss ich Angst haben? Bin ich psysisch krank? Oder ist es normal, wenn man seiner Arbeit in der IT-Welt so tief verhaftet ist, dass man die reale Welt nicht mehr wahrnimmt? Wie kann es sein, dass ich wirklich eine Bewusstseins-Lücke von mehreren Minuten hatte? Bin ich krank? Hat das was mit Schlafmangel zu tun? Bin ich unfallgefährdet? Sollte ich kein Auto fahren?”

Erleben so etwas insbesondere hochbegabte Menschen? Oder Introviertierte? Oder geistige Kranke?

“Als hochbegabte Erwachsene erinnere ich mich kaum an meine Schulzeit. Ich habe sie sinngemäß verschlafen, war jahrelang geistig einfach nicht anwesend. Heute erlebt meine Tochter dasselbe – es gibt tatsächlich eine Reihe Lehrer, die sie für dumm halten. Das, obwohl sie mehrfach nachgewiesener Maßen hochbegabt ist. Gerade letzte Woche wurde sie, nach einem Schulwechsel, nach 9,5 Jahren das erste Mal in ihrem Schulleben von einer Lehrerin gefragt, ob ihre geistige Abwesenheit im Unterricht vielleicht was mit Langeweile und Hochbegabung zu tun haben könnte?! Endlich, endlich soll sie gefordert werden!

Aber: Wenn ich sehe, wie sie zuhause ihr Leben vorm Fernseher und Smartphone verschwendet, wie sie stundenlang jeden Tag die Welt an sich vorbeifließen lässt, wie sie aggressiv reagiert, wenn ich sie aus dem “Scroll-Modus” heraushole, oder wenn ich ihr das Smartphone wegnehmen will – ja, dann habe ich Angst, dass geistige Abwesenheit von der realen Welt, krank ist oder krank wird. Als Elternteil tut es mir natürlich weh, wenn sie ihre geistige Langeweile versucht, auf so eine Art und Weise zu kompensieren und meines Erachtens mediensüchtig ist. Was passiert mit Menschen, die dauerhaft geistig unterfordert sind?” frage ich mich, als Autorin dieses Artikels, die jetzt zu dem Thema recherchiere wird.

Kennst Du das aus eigener Erfahrung auch? Oder bist Du Psychologe und kannst beschreiben, ab wann “geistig abwesend sein” krank ist?

 

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