Ein bettelnder Blick, Sehnsucht! Ein Junge erzählt seiner Mutter, dass ein Freund mit seinem Vater spontan nach Schweden reisen wird. Pure Sehnsucht, der Wunsch, auch so ein Abenteuer zu erleben, liegt in seinen Augen. Auch er möchte nach den Ferien von Erlebnissen erzählen können – wird er aber nicht! Er und seine Mutter bekommen Hartz 4 …

Damit ist noch nicht einmal eine Fahrt in den Freizeitpark möglich – noch nicht einmal so richtig groß Eisessengehen ! Denn: Meistens ist das Geld (die Leistungen der BA, Hartz 4) am 5. des Monats längst ausgegeben. Zumindest immer dann, wenn der Unterhalt vom Vater nicht eingegangen ist.

Die Erkenntnis in absehbarer Zeit, vielleicht niemals, einen Kurzurlaub irgendwohin zu machen, trifft den Jungen hart – sein Blick wird traurig, dann dreht er sich von seiner Mutter weg und geht. Gibt er ihr die Schuld? Sein Vater lebt zwar nicht von Hartz 4, aber mit einer anderen Frau zusammen und würde niemals eine Männertour mit ihm machen. Seine Mutter würde natürlich sehr gerne Urlaub machen und mit ihm Reisen gehen!

Im Jahr 2017 gab es in Deutschland rund 11,58 Millionen Familien, mit Kindern jeden Alters im Haushalt. Davon sind rund 2,62 Millionen Eltern in Deutschland alleinerziehend (Quelle: Statista) – kurz mal mit dem Dreisatz gerechnet, sind das 22,4 %. Das heißt, dass mehr als 1/5 der Haushalte in Deutschland mit Kindern ein alleinerziehendes Elternteil hat.

Allerdings sollten Alleinerziehende (kurz: AE) in diesem Artikel nicht das Kernthema sein, sondern alle Hartz-4-Empfänger mit Kindern. Doch Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es im März 2019 rund 1 Mio Leistungsberechtigter mit Kindern, davon 536.132 Alleinerziehende. Das ist die Hälfte – das muss hier geschrieben werden!

Rund 53% der Hartz-4-Empfänger mit Kindern sind Alleinerziehende!

Merkmal Insgesamt Alleinerziehende 2) (AE) Anteil Spalte 9 an Spalte 8
Spalte 8 Spalte 9 Spalte 10
Bedarfsgemeinschaften erwerbsfähiger Leistungsberechtigter nach Alter der Kinder bis unter 18 Jahre
Bestand BG mit Kindern 1.019.923 536.132 52,6%
mit Kindern (Mehrfachnennungen möglich):
unter 3 Jahre 331.444 134.759 40,7%
Anteil am Bestand 32,5% 25,1% .
3 bis unter 6 Jahre 319.560 148.543 46,5%
Anteil am Bestand 31,3% 27,7% .
6 bis unter 15 Jahre 629.886 324.190 51,5%
Anteil am Bestand 61,8% 60,5% .
15 bis unter 18 Jahre 225.795 112.490 49,8%
Anteil am Bestand 22,1% 21,0% .
Quelle: BA





AE mit Kindern: 1.484 € werden gebraucht, nur 872 € bezahlt.

Überraschend ist die folgende Tabelle. Durchschnittliche Werte sind:

  • ein Single 765 € braucht und bekommt 662 €.
  • eine Alleinerziehende hat einen durchnittlichen Bedarf* von 1.484 €, erhält aber nur 872 €.
  • Partner (2 Erwachsene) mit Kind (ern) brauchen 2.121 € und bekommen 1.299 €

Eine Mutter mit Kindern sollte mindestens eine 3-Zimmer-Wohnung haben, damit sie nicht im Wohnzimmer auf der Couch schlafen muss – genauso, wie Partner mit Kind(ern). Oder hat sie kein Recht auf eine entspannte Schlafumgebung? Unterkünfte werden bei Hartz 4 / SGB II übrigens zu gleichen Teilen auf die Personen der Bedarfsgemeinschaft gerechnet (siehe unten, Definition). Und brauchen Kinder weniger Kleidung? Oder weniger Nahrung? Nicht wirklich; wenigstens nicht in der Pubertät. Hausrat nutzen in der Regel alle, also Kleine und Große.

Ab einem Alter von 15 Jahren zahlen Kinder fast überall Erwachsenen-Preise:

  • in Bus und Bahn
  • in Freizeitparks & Schwimmhallen
  • bei Veranstaltungen & im Kino
  • bei Versicherungen, etc!

Dabei gehen die Meisten heutzutage nicht mehr mit 15 J. von der Hauptschule und in die Lehre, sondern machen immer öfter die Fachhochschulreife oder ein Abi und studieren danach! D.h.: Kinder ab 15j sind richtig teuer.

Obwohl sie soviel wie Erwachsene zahlen müssen – warum bekommen sie dann weniger Geld vom Jobcenter?


Statistik der BA dazu (Stand März 2019):

Bedarfe und Zahlungsansprüche auf Gesamtregelleistung nach Bedarfsgemeinschaftstypen

Single-BG Alleinerziehende-BG Partner-BG mit Kindern
mit Bedarf mit Zahlungsanspruch mit Bedarf mit Zahlungsanspruch mit Bedarf mit Zahlungsanspruch
Bestand durchschnitt-
licher Bedarf
in Euro
Bestand durchschnitt-
licher Zahlungs-anspruch in Euro
Bestand durchschnitt-
licher Bedarf
in Euro
Bestand durchschnitt-
licher Zahlungs-anspruch in Euro
Bestand durchschnitt-
licher Bedarf
in Euro
Bestand durchschnitt-
licher Zahlungs-anspruch in Euro
5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
1.649.071 765 1.646.499 662 535.875 1.484 535.831 872 480.721 2.121 480.711 1.299
Quelle: BA

Vergleich von kalkuliertem Bedarf und tatsächlichem Bedarf.

Definition von “Bedarf” lt BA (Bundesagentur für Arbeit):

Die Hilfebedürftigkeit einer Bedarfsgemeinschaft und ihrer Mitglieder stellt den Ausgangspunkt für den Bezug von Leistungen im SGB II dar. Hilfebedürftig ist, wer seinen eigenen Lebensunterhalt sowie den seiner Bedarfsgemeinschaft nicht oder nicht ausreichend durch Einkommen oder Vermögen sichern kann. Als Bedarf bezeichnet man den Geldbetrag, der notwendig ist, um den Lebensunterhalt sichern zu können. Der Bedarf einer Person ist sowohl von gesetzlichen Vorgaben als auch von der individuellen Situation des Leistungsberechtigten abhängig. Beispielsweise geht man davon aus, dass Frauen in der Schwangerschaft einen höheren Bedarf haben als andere Leistungsberechtigte.

Der Gesamtbedarf eines Leistungsberechtigten besteht aus:

  • einem Grundbedarf für Ernährung
  • Kleidung,
  • Körperpflege,
  • Hausrat usw.,

… der als pauschalierter Regelbedarf abgedeckt wird. Individuell abhängig kann sich der Bedarf um Mehrbedarfe z. B. in der Schwangerschaft erhöhen. Weiterhin zählt eine

  • angemessene Unterkunft mit Heizung zum Bedarf eines Leistungsberechtigten
  • sowie weitere Bedarfe in besonderen Lebenssituationen.

Mit Ausnahme des Bedarfs für die Kosten der Unterkunft werden alle Bedarfe personenbezogen, d. h. für jedes Mitglied der Bedarfsgemeinschaft getrennt ermittelt.


In Zahlen (Quelle: Diakonie):

416 Euro Regelsatz (seit 2018) für Erwachsene enthält:

  • 145,04 Euro für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
  • 39,91 Euro für Freizeit, Unterhaltung und Kultur
  • 37,20 Euro für Nachrichtenübermittlung
  • 36,89 Euro für Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung (Soll das ein Witz sein? Darin enthalten sind auch die Stromkosten des Haushalts)
  • 36,45 Euro für Bekleidung und Schuhe (??? Eine gute Jeans kostet locker 70,-)
  • 34,66 Euro für Verkehr (??? Wie bezahlt z.B. eine AE die Anfahrtkosten zu ihrem Teilzeitjob??)
  • 32,99 Euro für andere Waren und Dienstleistungen
  • 25,64 Euro für Innenausstattung, Haushalt und Haushaltsgeräte (guter Scherz)
  • 15,80 Euro für Gesundheitspflege (Hygiene hat keinen Stellenwert??? 15 € brauchst du alleine für Waschmittel)
  • 10,35 Euro für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (2 Gläser pro Monat – wau)
  • 1,06 Euro für Bildung (siehe Beispiel*2)

Regelsätze für Kinder und Jugendliche (Quelle: lpb) – zw. 100 u. 150 €/Monat weniger:

  • unter 25jährige (im Haushalt der Eltern lebend): 327 Euro
  • Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren:   322 Euro
  • Kinder von sechs bis unter 14 Jahren:      302 Euro
  • Kinder von 0 bis 6 Jahre:                           245 Euro

*2 Beispiel Bildung:

Ab 8/2019 gibt es für persönlichen Schulbedarf nunmehr 150,- pro Jahr (vorher 1x 70 € und 1x 30 € pro Jahr). Wie sollen davon:

  • Schulranzen (teuer!)
  • Schreibhefte, Mappen, Umschläge
  • Bücher & Kopiergeld
  • Stifte, Füller, Tuschkasten, Pinsel, etc.
  • Taschenrechner
  • Sportschuhe (oft 1x Hallen- und 1 Draußenpaar, teuer!), Sportkleidung, Sporttasche
  • Lizengebühren für digitale Medien; ggf. ein Tablet?
  • etc

… bezahlt werden? Wie hoch wären die Kosten für Erwachsene? Mit Weiterbildungskosten? Oder für Studierende?


Ich, als Autor, darf jetzt nicht weiterschreiben – mit jeder neuen Recherche und/oder statistischen Zahl rege ich mich mehr auf!

Was sagst du dazu? Wie hoch ist dein tatsächlicher Bedarf pro Monat (die Frage richtet sich an alle, auch NICHT-Hartz4-Empfänger)?

Es wäre toll, würden hier einige ihre Lebenshaltungskosten pro Monat nach oben genannter Tabelle (hier online kopierbar) ohne Wohnkosten (also ohne Miete, warm) als Kommentar drunterschreiben.





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