Selbst hochbegabte Kinder versagen in der Schule, liefern nicht ab und/oder werden depressiv? Eine wahre Geschichte, Daten und Fakten sowie ein emotionaler Poetry-Text. Der Anlaß zu diesem Artikel ist das:

Letzte Woche beschwerte ich mich über eine höchstaggressive Fachlehrerin ein. Beim Jahrgangsleiter der Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Der reagierte zunächst damit, dass er der Klassenlehrerin auftrug, herauszufinden,  was die anderen Schüler dazu sagen. Was sie im Klassenrat herausfand, entsetzte sie. Die Schüler konnten sich kaum mehr beruhigen und berichteten endlich, wie ausfallend die Fachlehrerin sich verhält. Der Jahrgangsleiter schrieb mir später, sie würden nach einer Lösung suchen, die ALLE zufrieden macht … Meine Antwort darauf ist die Werdegeschichte eines hochbegabten Mädchens und ihrer Schullaufbahn, in Briefform geschrieben.

Warum hochbegabte Schüler versagen, liefert allerdings in unumstößlicher Form, basierend auf diversen Meta-Studien, die Hattie-Studie und dem Buch dazu “Visible Learning“, welches im November auf Deutsch erschienen ist. Diese Übersicht (aus dem Buch Seite 143) zeigt, was die schädlichsten Faktoren – die “Verhinderer” für gute Schulleistungen sind:

  • Angst (-37)
  • ADHS (-0,90)
  • Depressionen (-35)
  • Langeweile (-0,49)
  • körperliche Züchtigung im Elternhaus (-33)
  • Unbeliebtheit in der Klasse (-23) (dieser Punkt steht auf einer anderen Buchseite)
  • Fernsehen (-15)

Die beiden fettmarkierten – ADHS und Langeweile – sind nicht nur die Faktoren, die sich am negativsten auf Schulleistungen auswirken. Nein, sie treffen zudem bei hochbegabten Kindern und Jugendlichen nennenswert oft zu. Wobei ADHS-ähnliche Symptome auch durch Unterforderung entstehen, wie diese Geschichte in Briefform (enthalten ein Poetry Text) auch erzählt.

Lieber Jahrgangsleiter,

es lässt mich nicht los, was Du geschrieben hattest “alle sollen zufrieden sein” … Aber darum kann es in dieser Situation nicht gehen! Es ist Deine und meine Aufgabe, wie von allen Lehrern und Eltern, Kindern zu helfen, sie zu schützen, sich vor sie zu stellen, wenn ihnen Leid angetan wird. Es muss uns egal sein, ob manch ein Erwachsener dann zufrieden ist. Siehe katholische Kirche – eine Krähe sollte der anderen durchaus ein Auge aushacken, wenn es sein muss!

Zur persönlichen Situation:

Ich habe so vielen Jugendlichen und Kindern schon geholfen oder auf einen vielversprechenden Weg gebracht … Nur meine Tochter konnte ich nicht vor einer schrecklichen Schullaufbahn, mit so vielen emotionalen Verletzungen schützen. Das tut weh.

Fakt: Sie ist hochbegabt – 2x nachgewiesen von einschlägigen Fachleuten. Und jetzt soll sie einen Hauptschulabschluss machen, den sie kaum schaffen kann, weil sie voller Angst in die Schule geht? Seit Langem!

Jeden Tag wird meine Tochter von Klassenkameraden beleidigt, beschimpft und angebrüllt. Täglich. Ja, beinahe stündlich (Lehrer tun dagegen nichts). Das Gleiche machen einige Lehrer, insbesondere die o.g. Fachlehrerin, die nicht nur ständig brüllt, sondern Menschen gezielt mit Worten herabwürdigt, bis sie seelisch zusammenbrechen.

Wo ist mein traumhaft fröhliches, wiss- und lernbegieriges Kind geblieben?

Meine Tochter war als Kind immer ein sehr, sehr fröhliches Wesen und voller Energie. Dieser Energiepegel war oft kaum auszuhalten… Der erste ADHS-Verdacht wurde von einer Erzieherin geäußert. Das war der Grund für das erste psychologische Gutachten, dabei kam eben heraus: nichts mit ADHS, sondern Hochbegabung.

Mein hochbegabtes, fröhliches und lebhaftes Kind wechselte in einen anderen Kindergarten, mit fähigen Erziehern und entwickelte sich toll. Dann kam sie in die Schule – emotional gesehen, zu früh. Wegen ihres Geburtstags zwei Wochen vorm Einschulungsstichtag, ist sie meistens die Jüngste in der Klasse.

Sie kam in eine Schule in direkter Nachbarschaft, mit reichen Eltern, wo Hochleistung zum Image der Mütter gehörte (schrecklich…). In den Pausen stand mein hochbegabtes, wie hochsensibles Kind mit dem Rücken zur Wand, weil sie das Chaos nicht ertragen konnte. Im Unterricht konnte das lebhafte fröhliche Wesen nicht stillsitzen, wollte selbstaktiv wirken, lernen ja, aber nicht so. Aus Langerweile spielt sie den Klassenkasper, sträubte sich vehement gegen Wiederholungen, ließ sich nicht unterkriegen. Das gab viel Ärger!

Damals schrieb ich „Free Flying Mind?“ ein „Gedicht“ oder ein Songtext, zu dem er vielleicht nochmal wird? Ein Poetry-Text vielleicht? (Hinter diesem Link der Text auf Deutsch)

free flying mind?

I’m sitting here, hush, and listening to what I must learn – Oh, I hate it so much!
I like to leave, to move around and to work with my head – three topics at the same time:
I like to check out things, to analyse and explore using my bare hands
Discover the world with my eagle eyes; find new perspectives then the most.

I’m highly gifted, nobody realizes!
HELP ME OUT!
I’m asii-kid, a special- intelligent kid
Please help me – try to understand my nature!

Nobody gets what I’m able to do, how fast I can think.
Who cares about my creativity? My ideas?
People saw me being hyperactive, they responded being irritated
Often, I’m living in my own world – being solitary as a wolf.

I’m highly gifted, nobody realizes!
HELP ME OUT!
I’m a sii-kid, a special- intelligent kid
Please help me – try to understand my nature!

I have all the cognitive skills to change the world.
To develop new things – products and more.
But not by walking the common route. I can’t play the standard rules.
I will not be a white tiger in a cage! 

I’m highly gifted, nobody realizes!
HELP ME OUT!
I’m a sii-kid, a special- intelligent kid
Please help me – try to understand my nature!

How can I get happy? What would I need?

I need friends, loving to discuss with me
A family, exercising lots of patience
And teachers, who accept me, who provide exiting, vivid projects
Help my mind to fly free as a bird!

I’m highly gifted, nobody realizes!
HELP ME OUT!
I’m a sii-kid, a special- intelligent kid
Please help me – try to understand my nature!

Will I find like-minded people and a world accepting, aiding me?
Then you will see a very, very sensitive little person;
Who will provide a lot of surprise und rewarding facets –
I’m a Sii-Kid who could enrich your living.


Um meiner Tochter zu geben, was sie brauchte, fing ich an, Kurse für hochbegabte Kinder an der Schule zu organisieren. Robotik, Forscherkurse, etc. „Bionik im Zoo“ gab ich selbst als Dozent; organisierte Infotage für Eltern und Lehrer. Gleichgesinnte Kinder trafen sich, waren dann froh. Sie fanden spielerische Herausforderungen und lebten auf. Einiges lief im Rahmen des Enrichment-Programms vom Bildungsministerium.

Zum Schuljahreswechsel 3. zur 4. Klasse zogen wir um, in eine andere Stadt (meiner Heimatstadt, wo die Familie lebt). Und meine Tochter beschloss: Den Ärger will ich nicht mehr haben – ich passe mich an!

Ja, sie passte sich an. Sie stellte ihr Hirn aus und saß mucksmäuschenstill in der Klasse.

Hoffnung machte uns ihre Klassenlehrerin, selbst hochbegabt und SHIP-Lehrerin. Leider war diese selbst Außenseiterin unter ihren normalbegabten Kollegen und konnte ihre Ansätze nicht realisieren – zulasten ihrer Selbst und der betreffenden Schüler! Die Leistungen meiner Tochter nahmen ab; ihr geistig abwesendes still Dasitzen nahm dafür zu.

In der 5. und 6. Klasse auf der weiterführenden Schule hatte sie gute und schlechte Lehrer, aber in jedem Fall zwei Klassenlehrer (eine w, ein m), die das Herz am rechten Fleck haben und gute Lehrer sind. Er ein kreativer Chaot, aber total beliebt. Sie, eine qualifizierte, erfahrene Lehrkraft mit Verständnis für die zwischenmenschlichen Dinge, die meine Tochter zum Beispiel zum Vertreib ihrer Langenweile „nebenbei Zeichnen“ ließ. Zeichnen sollte meine Tochter laut Therapeuten immer, damit sie ihre innere Unruhe loswerden kann.

Es gab auch schlechte Lehrer, aber die guten Klassenlehrer wogen das auf und machten uns Hoffnung auf eine gute Schullaufbahn – auf dieser verrufenen Schule. Schwierig war und wurde immer mehr die Situation in Mathe. Ein Referendar nach dem nächsten kam in unsere Klasse und ging dann nach einem halben Jahr wieder. Und dann … verließen uns beide Klassenlehrer. Er durfte nicht in den 7. Jahrgang folgen, aufgrund seiner Ausbildung. Sie musste sich Zeit für ein krankes Familienmitglied nehmen.

Die neue Klassenlehrerin: nicht besonders interessiert an den Schülern und weder das eine noch das Andere – eine Standard-Lehrerin, die  normalen Unterricht macht, und glaubt, herumschleimende fleißige Schüler wären die Guten. Ihre Wahrnehmung der Dinge sind nicht meine …

Sie war keine Hilfe, konnte aus einer Schülerin, die im Bereich Sprache höchstbegabt ist (zuletzt 147 IQ-Punkte) gerade mal eine mittelgute bis eher schlechte Schülerin machen. Englisch? Genauso. Mathe – ein Drama. Ü8 in der 9. Klasse. Andere Fächer: schwankend. Am besten: NaWi – Bio, Chemie Physik – das, was meine Tochter als Kind schon interessierte und ich selbst in Nachmittagsprogrammen anbot oder organisierte (über unseren Verein).

Zudem: Ungerechte Bewertungen trotz guter und sehr guter Leistungen in einzelnen Bereichen und Fächern von verschiedenen Lehrern haben nicht nur meiner Tochter, sondern vielen Schülern die Motivation geraubt

Motivationsraub – ein Drama für die Leistungsfähigkeit!

Das Wesen meiner Tochter hat sich komplett gewandelt. Das fröhliche, aufgeweckte und lernbegierige Kind gibt es nicht mehr. Frust und Angst – das ist, was sie beherrscht. Sie ist abgeglitten, ist Smartphone-süchtig geworden, macht nichts mehr – außer Zeichnen.

Nur in unserem außerschulischen Projekt, dass ich über unseren Verein leite, lebt sie manchmal noch auf; zeigt manchmal, was sie kann, bei erKant.de – der besten Online-Schülerzeitung von Deutschland 2018, welche in 2019 Referenzprojekt für viele weitere dieser Art ist, die ich als Referent mit dem IQSH aufbauen werde. Nur hier erlebt meine Tochter noch Erfolge, positive Zusammenarbeit mit anderen und kann kreativ sein.

Wenn nur das Smarthone nicht wäre, und der extrem negative Schulalltag … dann hätte sie noch eine Chance.

Das einst ständig forschende und Dinge konstruierende Kind – aufgehalten. Stumm. Tut nichts mehr. Sie ist kraftlos geworden und verletzt. Sie versucht, nach Außen cool zu wirken. Niemals würde sie vor Dritten heulen. Niemals! Sie versucht, stark zu sein, das auszuhalten, was in der Schule alles passiert; sich nicht unterkriegen zu lassen, von Wut, Demütigungen und Herabwürdigungen.

Nur bei mir legt sie das Schutzschild zur Seite – aber immer seltener! Es tut weh, das zu sehen! Wenn sie erzählt, was so passiert, kann ich sie nur in die Arme nehmen und versuchen, sie zu stärken. Lehrer schützen sich nur gegenseitig. Eltern machen fast nicht nie den Mund auf. Viele Kinder erzählen zuhause noch nicht einmal, was in der Schule passiert.

Was alle sehen: Die schlechten Noten. Die Lehrer haben mein Kind emotional geschädigt und zu einer Minderleisterin gemacht. Sie, die Hochbegabte.

Unumstößlich ist laut Hattie-Studie: Schüler sind nur so gut wie ihre Lehrer! Von den lernhemmenden Faktoren laut Hattie, treffen folgende auf meine Tochter zu:

  • ADHS-ähnliche Wesenszüge – innere Unruhe und nachgewiesener Konzentrationsmangel
  • Angst in der Schule
  • Langeweile bei dem überwiegenden Frontalunterricht
  • Despressionen (zumindest ansatzweise)
  • Keine häusliche, aber Gewalt in der Schule, sofern verbale Herabwürdigungen, Mobbing, etc dazu zählen (was die Hattie-Studie nicht macht, aber jeder Psychologe tun würde).

Was tun die Lehrer? Dem Kind die Schuld zuschieben und im Zweifel den Eltern. Reflektieren, bei sich selbst nach den Gründen zu suchen? Fehlanzeige.

Wieso hilft ihr in der Schule keiner? Warum wird sie als dumm und unfähig, uvm betitelt (Mathelehrerin), herabgewürdigt, als wäre sie Dreck? Dieses zauberhafte, nette, gutaussehende, höchstintelligente Kind?

Privat hat sie keine nennenswerten Sorgen, ein schönes Zuhause, einen Hund, wenn auch keinen Vater und eine Mutter, mit der sie eigentlich klarkommt, außer wenn die sauer ist, dass das Kind ihr Smarthone zuviel nutzt und mittlerweile auch zuhause macht, was sie in der Schule gelernt hat: Nichtstun, Hirn ausschalten, am Smartphone oder vorm TV abhängen. Als Mutter könnte ich ihr das nur noch mit Gewalt verbieten – sie lässt sich nichts mehr sagen.

Was haben Lehrer und Mitschüler diesem Kind – meinem Kind – nur angetan? Zufrieden lieber Jahrgangsleiter?? Alle Beteiligten sollen zufrieden sein? Es sollen die zufrieden sein, die Kinder seelisch zerstören? Das ist unerträglich!

PS: Ich habe den Brief nicht an den Jahrgangsleiter gesendet – vermutlich würde ich es für meine Tochter nur schlimmer machen.


Mehr lesen, was passiert, wenn hochbegabte Kinder nicht gefördert werden: www.sii.kids.de

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