Milliarden von Menschen sind dem Smartphone verfallen und nutzen es ständig. Altersunabhängig ist es längst wichtiger als alles Andere, was wir in der Regel mit aus dem Haus nehmen! Gerade am Donnerstag fuhr ich nach Berlin und später zurück – hängen geblieben sind zwei Storys mit zwei Fahrgästen und ihren Smartphones. Doch: In diesem Artikel geht es um viel mehr Zusammenhänge … 

Während der Bahnfahrt: Eine Frau wurde panisch, weil sie ihr Handy in die Zeitschriftentasche am Vordersitz hatte rutschen lassen und nicht wiederfand, bis ich ihr den richtigen Tipp gab. Auf der Rückfahrt fiel mir eine Studentin fast auf den Schoß, weil der Zug bremste und sie herumlief, um jemanden zu finden, der ihr sein Handy lieh. Sie hatte ihres in Berlin in einem Café liegen lassen. Vermutete sie. Sie fragte geradezu verzweifelt, was sie wäre, ohne ihr Smartphone? Wie sollte sie jemanden erreichen, wenn sie ein Problem hatte? Wer hatte das jetzt? Sie durfte mein Handy nutzen und sich selbst anrufen. Ein Freund aus Berlin ging ran – er hatte ihr Handy mitgenommen.

Aber das wollte ich eigentlich nicht erzählen!

Heute Nacht ließ mich die Erinnerung vom Abend nicht los:

Wir saßen am Esstisch – meine Tochter mit krummen Rücken und nach vorne fallenden Schultern; ihre Körperhaltung wirkte schwach. Das war früher anders! Nichts ist mehr zu sehen von dem sportlichen, extrem lebhaften Kind, das sie mal war; das täglich auf dem Abenteuerspielplatz tobte und kletterte… Jetzt sitzt sie täglich stundenlang an ihrem Smartphone. Kein Sport. Kein Spielplatz mehr. Mit Anderen treffen? Wozu? Sie “sehen” sich ja online. Meistens kommunizieren die Jugendlichen über Whatsapp.

Wild gestikulierend erzählt meine Tochter mir beim Essen wirre Geschichten – sie stresst mich richtig, denn: sie spricht sehr laut und ist hektisch! Ihr Gehör ist durch das Musikhören mit Ohrstöpseln geschädigt. Die Nervosität kommt sicherlich vom vielen Herumsitzen, dem Spielen auf dem Smartphone und den chaotischen Diskussionen in WhatsApp-Gruppen – die stressig richtig! Weswegen ich selbst nur gezielt online bin; zeitbegrenzt, wenn es wichtig ist oder ich die Zeit dafür übrig habe.

Stück für Stück macht das Smartphone sie kaputt!

Figur versaut, Gehör geschädigt, und eine Brille braucht sie anscheinend auch schon. Sie sagte vor Kurzem, sie könne in der Schule schlecht lesen, was an der Tafel steht.

Was wiegt schlimmer? Ihre körperliche “Abnutzung” in so jungem Alter oder die Nichtnutzung ihrer Kreativität und ihrer Talente? Wo ist das Kind, dass immer nach Draußen wollte, sich bewegen? Wo ist das Kind geblieben, dass sich tagelang alleine beschäftigen konnte, weil sie sich Geschichten ausdachte und Welten baute? Welten aus Papier und Kleber, aus Lego und Fischertechnik? Das einzige, was geblieben ist, ist ihr ewiges Hobby: das Zeichnen. Täglich zeichnet sie – auf dem Papier ODER auf dem Smartphone. Dafür bekommt sie Anerkennung – von vielen. Auch in WhatsApp-Gruppen.

Langeweile und wenn Feuer brennen.

Schule ist für meine Tochter zum Sterben langweilig – seit jeher! Der Frontunterricht hat dafür gesorgt, dass sie ständig ihr Frontalhirn ausschaltet und sich nur noch beschallen lässt. Einen Teil davon bekommt sie noch mit; aktive Teilnahme sieht aber anders aus …

Auch unsere Kleinstadt ist zum Sterben langweilig! Dennoch habe ich meine Tochter neulich an einem Sonntag vor die Tür gescheucht. Sie traf sich mit einer Freundin auf dem Schulhof der Grundschule, mitten im Ort. Es war ein Drittes unbekanntes älteres Mädchen von Außerhalb dabei. Das hatte Liebeskummer und verbrannte auf dem Schulgelände einen Brief von ihrem Exfreund.

DAS sah die Schulsekretärin, die am Sonntag im Büro gewesen war, und holte die Polizei!

Sie beschuldigte die drei Mädchen Brandstifter zu sein – sie wüsste jetzt endlich, wer hinter der Sporthalle all die Feuer gezündet hätte und für die Zerstörung verantwortlich wäre. Meine Tochter rief mich an, bevor die Polizei da war. Ich bin fast explodiert vor Wut! Was erlaubte sich diese Schulsekretärin? Wie konnte sie meinem Stubenhocker sowas vorwerfen? Sie verdächtigen, Brandstifter zu sein? Wir sind anständige Leute und meine Tochter niemand, der auf der Straße herumhängt. Ganz im Gegenteil! In den Sekunden, bevor meine Tochter mich anrief, hatte ich ein Radio-Interview mit ihr angefangen zu hören. Wir haben zusammen mit anderen Schülern die beste Online-Schülerzeitung Deutschlands 2018 aufgebaut! Wir sind Macher, auch meine Tochter, wenn sie ihr Smartphone nicht hätte, wäre sie nach wie vor sehr aktiv …

Und jetzt wurde sie von dieser Schulsekretärin beschimpft und verleugnet. Die Polizei kam und ging, bevor ich dort sein konnte. Meine völlig harmlose Tochter und die anderen beiden Mädchen haben einen Platzverweis erhalten und dürfen das Schulgeländen nicht mehr betreten. Ich fuhr zur Wache und beschwerte mich über das Vorgehen der beteiligten Erwachsenen.

Meine Tochter geht jetzt deshalb noch viel seltener aus dem Haus!

Diese Frau hat ihr jegliche Motivation genommen! Als das, weil ein Mädchen aus einer anderen Stadt einen Liebesbrief verbrannt hat und diese Schulsekretärin völlig überzogen handelte und Menschen zu unrecht verdächtigte. War das etwa pädagogisch wertvoll?

Das Smartphone ist eine Flucht vor den Menschen da draußen und eine Flucht vor Langeweile.

Online gibt es alles und nichts. Die große weite Welt. Die Polizei ruft hier niemand.

Meine Meinung: Für Arbeit und Schule ist die Digitalisierung notwendig, nicht aufzuhalten und der Umgang mit digitalen Geräten und Anwendungen ein Muss. Aber aus dem Privatleben sollten sie ein Stück weit wieder verschwinden und das Leben wieder lebenswerter machen. Zudem ist es Aufgabe der Schulen, den Kindern und Jugendlichen beizubringen, Smartphones als Arbeitsmittel und weniger zum Zeitvertreib zu nutzen. Schulsekretärinnen wie die oben genannte, sollten vor die Tür gesetzt werden.

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