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Geändert im Januar 2014 + 2016, entworfen im Okober 2012 von Susanne Braun-Speck

Kinderarmut? Rentenvorsorgelücke? Hohe Krankenkassenbeiträge? Nachwuchsmangel? Alleinerziehende und Kleinstunternehmer leben ohne Netz und doppelten Boden – ständig und bis zum Lebensende mit hohem Risiko. In Deutschland. Ganz ohne Krieg oder Hungersnöte. Einfach nur, weil die Gesellschaft deren Situation nicht erkennt und die im Sozialsystem über Bord gehen lässt, die am Dringensten benötigt werden: Frauen, die Kinder in die Welt setzen & Kleinstunternehmer, die die Wirtschaft tragen.

Helfen würden eine

Sozialkasse für Alleinerziehende & Kleinstunternehmer (SAK) ähnlich der Künstlersozialkasse


Ziele: Soziale Absicherung & Rentenvorsorge für die Mitglieder der Gesellschaft, die die Beiträge alleine nicht leisten können.

Die zu gründende Sozialkasse für Alleinerziehende & Kleinstunternehmer (SAK) würde ihre Mitglieder, ähnlich wie die Künstlersozialkasse, in den vollumfänglichen Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung stellen.

Alleinerziehenden wird das Einkommen und die Rentenvorsorge so aufgestockt, als wären sie Vollzeit berufstätig. Sollten sie und auch andere als Kleinstunternehmer selbstständig sein, zahlen sie wie Angestellte nur prozentual Sozial-Versicherungsbeiträge anstatt hohe Pauschalen. Denn: Eine freiberuflliche bzw. selbständige Tätigkeit macht es ihnen möglich, flexibel zu arbeiten – wann und wo sie wollen und wegen ihrer Kinder können!

Die aktuell soziale Ungerechtigkeit: Kleinstunternehmer können sich freiwillige Beiträge in sämtliche Sozialversicherungen meistens NICHT leisten – vor allem nicht die für gesetzliche Krankenkasse und die Rentenversichung. Sie sind massiv von Altersarmut bedroht – es ist ein gesellschaftlicher Irrtum, dass es Selbständigkeiten grundsätzlich finanziell besser geht. Lies hier.

Besonders unfair zur Zeit: Eine verheiratete nebenberufliche Selbständige (max 18 Std/Woche) ist kostenfrei in der Familienversicherung mit krankenversichert. Alleinerziehende haben diese Möglichkeit NICHT und müssen sich ggf voll als Selbständige krankenversichern – von Rentenvorsorge, etc. reden wir hier noch garnicht!

Der Mindestbeitrag betrug z.B. in 2016 (auch bei TZ-selbständigen Müttern) mit Krankengeld-Anspruch 382,- EUR / Monat (link zur Quelle). Ein Blogbeitrag dazu.

Die zwei Hauptaufgaben der SFA:

  1. a) Sozialversicherungs-Zuschuss: Die SAK übernimmt den Arbeitgeberanteil von 50% an Versicherungsbeiträgen von freiberuflichen/selbständigen Müttern und Vätern (nur Einzel-/Kleinstunternehmer ohne Mitarbeiter) für die Krankenkasse, Rentenvorsorge, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung – so, wie es auch die Künstlersozialkasse für ihre Mitglieder macht.
  2. b) Einkommens-Aufstockung: Außerdem sollen die Einkommen von Alleinerziehenden (egal ob festangestellt oder selbständig), prozentual auf einen fiktiven (berufs- und altersabhängigen) Ganztagslohn aufgestockt werden, inkl. anteiliger Rentenversicherungsleistung, sodass sie später genauso viel Rente bekommen, als wären sie Vollzeit-Arbeitnehmer gewesen.

Ziele für die Betreffenden

  • bezahlbar sozialversichert sein, vergleichbar mit einem Vollzeit-Arbeitnehmer
  • Arbeiten und Kinder versorgen ohne Nachteile oder sozialem Abstieg
  • Unabhängig schaffen, berufliche Möglichkeiten als Klein-UnternehmerInnen wahrnehmen können, um nicht arbeitslos zu sein.
  • durch die Einkommens-Aufstockung heute Lebenswert mit Kindern leben
  • und später gut versorgt im Rentenalter sein.

Ziele für Gesellschaft & Wirtschaft

  • Start-Up´s und Kleinunternehmen fördern!
  • Fachkräftemangel senken: In vielen Berufen ist Teilzeitarbeit auf selbständiger Basis sehr gut möglich (vom Rechtsanwalt bis zur Pflegefachkraft). Gäbe es ein deutlich kleineres Risiko als Unternehmer UND soziale Sicherheit, würden deutlich mehr Mütter, die eine Fachausbildung oder Studienabschluss haben, neben den Kindern selbständig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
  • Geburtenrate erhöhen – für mehr Nachwuchs sorgen. Eine derartige soziale Absicherung böte Frauen den Anreiz, der Wirtschaft ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen UND Kinder zu bekommen.
  • Alternative zu Hartz IV; eine berufliche Chance auf selbstständiger Basis geben
  • Hilfe zur Selbsthilfe leisten (Selbständigkeit ist eine gute Alternative für Alleinerziehende -> eigene Zeiteinteilung = flexible Arbeit)
  • Kinder aus der Armutsmutfalle holen und eine förderliche Entwicklungsumgebung ermöglichen. Denn: Diese Kinder sind die Ingenieure UND Rentenzahler von morgen! Aber nur, wenn sie “abliefern” (gute Schullaufband und später Berufstätigkeit), was sie nicht können, wenn ihre Grundbedürfnisse nicht gestillt werden.

Finanzierung

  • Bund und Länder zahlen die Zuschüsse der SAK anstatt ALG oder Hartz IV aus selbigen Kassen. ALG I und II – Empfänger sind ja auch sozialversichert. D.h. die Mehrkosten für Bund/Länder für SAK wären gering. Langfristig erheblich geringer.
  • Wie Angestellte und Mitglieder der Künstlersozialkasse bezahlen SAK-Versicherte prozentual am Einkommen gemessene Beiträge mit dem selben Höchstbetrag. Neugründer und Teilzeitselbständige zahlen niedrigere Beiträge.
  • Spenden durch Stiftungen, etc.

Mitglieds-Voraussetzungen könnten sein:

Alleinerziehend mit mind. einem minderjährigen Kind bei Gesetzeinführung (Übergangsfrist?) oder Gründung (wie freiwillige AL-Versicherung);  der Status erlischt, wenn alle Kinder Schulbildung und den ersten Berufsweg (Ausbildung o. Studium) abgelegt haben, spätestens jedoch im Alter von 24J.

Bei Kleinunternehmern: Nicht mehr als 2 Teilzeitmitarbeiter und max. 20% mehr Netto-Einkommen als eine vergleichbare angestellte Führungskraft in selben Beruf (entsprechend Alter und Region). Es wird das höhere Gehalt von Männern angesetzt.

Die wichtigste begleitenden Maßnahmen:

  • Gesetzesändungen im SGB z.B. im 5. Buch gesetzl. Krankenversicherung. Hier insbesondere eine Neu-Defintion von “nebenberuflicher Selbständigkeit” – diese hängt jetzt von einer “hauptberuflichen Angestelltentätigkeit” ab. Dieser könnte eine “hauptberufliche Elterntätigkeit” gleichgesetzt werden.
  • Ausbau der Bürgschafts-Übernahme durch Bund und Länder ggü Banken und Kreditinstituten (ganz wichtig!) für Neugründer
  • Aufbau von Netzwerk-Zentren (kurz: NWZ) speziell für berufstätige Alleinerziehende und ihre Kinder zwecks Betreuung und Organisation des Alltags.
  • etc

Anmerkungen oder weitere Ideen? Schreib ggf unten ein Kommentar.

Betreuungsgeld kommt, Aus für die Praxisgebühr; Rente von Geringverdienern soll zukünftig aus Steuermitteln aufgestockt werden – das beschloss die Koalition am Wochenende. Aber: Keine Fortschritt gab es bei der Anrechnung der Kindererziehungszeiten von Müttern in der Rente – es soll weiterhin geprüft werden.

Die heutige Regelung (Quelle: Deutsche Rentenversicherung):

Wenn Sie das 67. Lebensjahr vollendet haben und mindestens 5 Jahre versichert waren, haben Sie Anspruch auf die Regelaltersrente. WIEVIEL Rente Sie bekommen, ist abhängig von der Dauer und Höhe Ihrer Einzahlungen in die Rentenversicherung. Wollen Sie früher in Rente gehen, müssen Sie mind. 35 J. eingezahlt haben.

Folgende Zeiten werden als Rentenversicherungszeit berücksichtigt:

  • bis zu 8Jahre der Berufsausbildung
  • sozialversicherungspflichtige Berufstätigkeit (Arbeitnehmer)
  • freiwillige Versicherungsleistungen (z.B. Selbständige, die sich freiwillig Rentenversichern)
  • Wehrdienst und Pflegezeiten von Angehörigen
  • freiwillige Beiträge zwecks Aufstockung
  • Arbeitslosen- und Krankengeldzeiten
  • Kindererziehungs- und anrechnungszeiten (max bis zum vollendeten 10. Lebensjahr Ihres Kindes anrechenbar)

Um die Kinderbetreuungszeiten geht es in der nachfolgenden Ausführung. Wenn Mütter (selten Väter) Kinder erziehen, bekommen Sie dafür in der gesetzlichen Rentenversicherung Pflichtbeiträge gutgeschrieben und erhalten für diese Zeit später mehr Rente. Die Rentenversicherungsbeiträge dafür zahlt der Bund.

Freiwillige Beiträge + Kindererziehung = Rente
Um überhaupt Rente bekommen zu können, sind mindestens 60 Beitragsmonate (= 5 Jahre “Wartezeit”) erforderlich – 1 Kind á 3 Jahre reicht also nicht. Wer allein mit Kindererziehungszeiten diese Mindestversicherungszeit bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze nicht erfüllt, kann für die fehlenden Monate freiwillige Beiträge zahlen. Die monatliche Beitragshöhe ist zwischen dem Mindestbeitrag von 78,40 Euro und dem Höchstbeitrag von 1 097,60 Euro frei wählbar.

Es gibt 2 Beitragszeiten:

a) Erziehungszeiten für die ersten 3 Lebensjahres des Kindes

und b) Berücksichtigungszeiten bis zu 10 Jahre.

Die Kindererziehungszeit wird nur einem Elternteil zugeordnet – demjenigen, der das Kind überwiegend erzogen hat.


zu a) 12 oder 36 Monate Erziehungszeit

Bei Geburten vor 1992 umfasst die KinderERZIEHUNGszeit 1 Jahr, bei Geburten ab 1992 beträgt sie 3 Jahre (36 Monate).

Für KinderERZIEHUNGszeiten bekommen Sie ab 1992 drei (3) Entgeltpunkte, vorher nur 1 Entgeltpunkt. Je mehr Entgeltpunkte jemand hat, um so mehr Rente bekommt er!

Aktuell entspricht 1 Entgeltpunkt in Westdeutschland 28 Euro monatlicher Rente. Das heißt, wenn Frauen (mit nach 1992 geborenen Kindern) in Rente gehen, erhöht sich ihre Rente um 84 Euro pro Kind und Monat (3×28 EUR)

Erziehen Sie gleichzeitig mehrere Kinder, verlängert sich die KinderERZIEHUNGszeit um diese Zeit pro Kind – heißt: jedes Kind zählt extra

b) KinderBERÜCKSICHTIGUNGszeiten

KinderBERÜCKSICHTIGUNGszeiten beginnen mit dem Tag der Geburt und endet nach zehn Jahren. Sie haben aber keine direkte Wirkung auf die Rentenhöhe. Allerdings können sie zu einer günstigeren Bewertung weiterer Zeiten und somit zu einer höheren Rente führen. Außerdem tragen sie zur Erfüllung verschiedener Wartezeiten bei, zum Beispiel für die vorzeitige Altersrente an langjährig Versicherte.

Mit der Erziehung von fünf Kindern, die vor 1992, oder zwei Kindern, die nach 1991 geboren sind, können Sie zum Beispiel einen Anspruch auf die sogenannte Regelaltersrente erwerben, ohne dass weitere rentenrechtliche Zeiten not wendig wären.

Erwerbstätigkeit und Kindererziehung

KinderERZIEHUNGSzeiten werden beinahe jeder Mutter (Vater) angerechnet (wenn das monatl. Einkommen weniger als 5.600 EUR beträgt). KinderBERÜCKSICHTIGUNGszeiten erhalten nur solche Mütter angerechnet, die nicht berufstätig waren bzw. innerhalb dieses Zeitraumes nicht mehr als geringfügig selbständig tätig sind.

Wenn Sie während der KinderERZIEHUNGSzeit entweder wenig verdient oder gar nicht gearbeitet haben, können Sie für diese Zeit ca. 82,- EUR/mon PRO Kind rentenrechtlichen Ausgleich erhalten (bei 3 Kindern wären das z.B.247,- EUR)

Musterrechung für Mütter, die nach dem 3. Lebensjahr eines Kindes Teilzeit arbeiten:

Verdienen Sie 1000 Euro im Monat, stellt die Dt. Rentenversicherung Sie bei der Rentenberechnung so, als hätten Sie monatlich 1500 Euro verdient. Dies steigert Ihre spätere Rente.

Rentenanspruch hat solche eine Mutter, wenn sie bei Renteneintritt 25 Jahre an rentenrechtlichen Zeiten zurückgelegt hat.

Mütter sind von Altersarmut bedroht, wenn Sie nach aktuellem Rentenmodell nur 1 oder 2 Kind(er) erziehen und bspl.weise bis zum 15 Lebensjahr der Kinder nicht arbeiten, da ihnen pro Kind nur 3 J. angerechnet werden.

Sie wollen grob ausrechnen, wieviel Rente Sie bekommen? Dann klicken Sie hier: http://www.brutto-netto-rechner.info/rente.php

Su-Ennas ganz persönliche Aussage: Die Deutschen sterben laut Statistik aus! Sie bekommen viel zu wenige Kinder. Gebärfähige FRAUEN sind eine der wichtigsten Ressoucen des Landes, weshalb sie uneingeschränkt in jeder Hinsicht unterstützt werden sollten. D.h. unter anderem, dass sie im Rentenalter gut leben können und es selbstverständlich sein sollte, dass sie uneingeschränkt vom Staat mit seinen Bürgern finanziell und gesellschaftlich getragen werden sollte.

Ich meine: Eine Mindestrente – deutlich über den HartzIV-Satz – sollte JEDER Mutter unabhängig von ihren Einzahlungen zustehen (egal ob sie vor oder nach 1992 Kind(er) bekommen hat).

Bist du auch dieser Meinung? Schreib gerne ein Kommentar dazu.

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